Also gehe ich auf die Suche. Ich suche nach der Schönheit im Alltäglichen, in der Küche, in Film und Theater, sogar nach der politischen Schönheit, oje. Letztere fand ich diese Woche ausgerechnet in Bayern. Ich bin in Kiel geboren, seit ewig Hamburger, aber in mir wohnt eine unerklärliche Bayernliebe. Ich mag die Lässigkeit, mit der Trachtenmode dort tragbar ist. Ich möchte bayrische Wursttheken rauf- und runteressen. Und ich liebe die Sprache, die drastisch sein kann, ohne zu beleidigen. Da sind wir bei der schwierigen politischen Schönheit, die wohl kaum jemand so verständlich einfordert, wie Maximilian Schaffroth. Seine Fastenrede auf dem Nockherberg handelte diesmal vom Umgangston in der Politik – in Bayern, im Bund, in der Welt. Anders gefragt: Warum wimmelt es in der Welt von wildgewordenen Mackern? Er glaubt, es sei ein Schrei nach Liebe. Glaubten Die Ärzte auch, vielleicht stimmt es ja. Aber was machen wir jetzt mit dieser Einsicht?
Apropos Therapie. Eine Perle der Shit-Flut im US-Zirkus war diese Woche die Idee einiger Republikaner, Trump-Kritikern wegen ihrer Haltung eine Geisteskrankheit zu attestieren. Das führt jetzt weg von der Schönheit, aber hin zur Kunst. 1943 zeichnete Andreas Paul Weber „Das Gerücht“. Das Bild illustriert die Sogwirkung von bloßen Behauptungen auf die Menschen. In unserer postfaktischen Gegenwart kann jeder Unsinn auch Existenzen vernichten. In Deutschland sagt man ja gern, wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Vergangene Nacht hatte ich einen Traum, er handelte von einem Argument. Zwei Menschen, die ganz und gar nicht einer Meinung waren, benutzten das selbe Argument. Ich konnte diesen scheinbaren Widerspruch nicht entschlüsseln. Dann reichte mir jemand einen Umschlag. Auf dem Zettel darin stand das Wort GLÜCK.
Thomas Vöcks

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