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Das linksradikale Kochbuch

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  • Über mich

  • Sonntag, 12. Juli

    Tat oder Wahrheit? Lieber nur Tat, dann wird’s auch was mit Reformen. Was sind Reformen? Früher was für’s Wohl aller, ja, Kinder, wirklich. Und nun gebt fein Acht, ich hab euch etwas mitgebracht: die heißkalte Lage der Ästhetik.

    Mein Kühlschrank war kaputt. Wäre kein Problem, wenn die soziale Kälte im Land meine Butter frisch hielte, aber das tut sie nicht. Mein neuer Kühlschrank wurde in China gefertigt, der Verkäufer empfahl mir dringend, eine fünfjährige Garantie zu erstehen, aber ich sagte was von chinesischer Wertarbeit und lehnte ab. Er hat mich nicht aus dem Laden gejagt, obwohl er Lust hatte, das konnte ich sehen. Statt dessen zeigte er mir die Kalte Schulter. Deutsche Überheblichkeit ist sehr 20. Jahrhundert, und am Ende gestattete der helmutkohlige Mann den Kauf. Die kältesten aller Schultern aber sind die kalkulierten Lügen. Sie ragen aus den Nachrichten wie Eisschollen.


    Immerhin ist die Lüge gerecht, sie vernebelt Wahrheiten flächendeckend. Und flackert mal die Funzel der Erkenntnis; versucht jemand, das Irrationale in das System der Vernunft zu sortieren. Dann eilt sogar ein Spiegel-Chefredakteur sonntags an die Tastatur, damit wir diese unselige Kirche im verdorbenen Dorf lassen. Sagen, was ist? Was sein könnte? Oder nicht sagen, was ungeheuerlich ist? Wahrheit ist eine schwache Währung, wer in sie investiert, riskiert vielleicht nicht den Kopf, aber womöglich Hals und Kragen.


    Ich weiß jetzt, warum ich trotz meines Alters vor Kraft strotze und meine athletische Silhouette nie verlor: Meine Oma hat mir regelmäßig süß-saures Ragout vom Rinderherz zubereitet. Herz und Leber gehören zu den Lieblingsspeisen des norwegischen Fußballhelden Erling Haaland. Der Mann hat Geschmack! Und die Stirn, seine ganz und gar unmodernen Vorlieben zu Protokoll zu geben. Es gibt sie noch, die Furchtlosen.

    Ich wünsche allen eine schöne Woche.

    Thomas Vöcks

    Juli 12, 2026

  • Sonntag, 5. Juli

    Ich fühl mich so Sommerpause, aber auch Disco. Mein kleines Unterhaltungsprogramm zwischendurch: Die Zusammenfassung einer Tanzepoche – mit extra Szechuan, Sriracha und Glutamat-Glitzer:

    Aufwachen, tanzen, es ist später, als ihr denkt.

    Bis bald,

    Thomas Vöcks

    Juli 5, 2026

  • Montag, 29. Juni

    Nützt ja nix. Hirn schmilzt, Textversuche doof wie Käsefondue, dann lieber Sommerpause. Melde mich wieder, wenn Planet bei Sinnen. Bis dahin: Pausenmusik von Leuten, die aussehen, wie ich mich fühle.

    Juni 29, 2026

  • Sonntag, 14. Juni

    Was versalzt mir das Süße Leben? Machen Kleider Leute? Oder umgekehrt? Barfuß oder Lackschuh: Die sommerliche Lage der Ästhetik.

    Eines italienischen Abends schwebte aus heiterer Dämmerung eine Frage über den Resten von Kaninchen und halbleeren Weingläsern: Was bedeutet Dolce Vita? In der gelösten Stimmung am Tisch tarnte sich die Frage leichterhand als rhetorisch, wir genossen ja gerade den einigermaßen sorglosen Müßiggang eines Kurzurlaubs. Sowas hatte Fellini zwar nicht gemeint, aber jede Frage und jeder Gedanke ist eine Reise wert.

    Vielleicht kann das süße Leben nur auf der Leichtigkeit des Seins gelebt werden. An diese Leichtigkeit kann ich mich kaum noch erinnern, Jahre legen Blei auf die Schultern. Aber es gab sie mal. Dreißig Tage Vendée, mühelos das Leben lieben, kein Problem – ohne Internet, Kriege weit weg, Nazis undenkbar.

    Apropos: Wie lässt sich die AfD stoppen? ist eine Frage, die uns zwischen Dolce-Vita-Momenten auch beschäftigte. Die Zeit hat bei fünfzehn Kulturschaffenden Antworten bestellt und ein Gedankenmosaik veröffentlicht, das immerhin Denkanstöße liefert. Wäre ich Giovanni di Lorenzo, spräche ich fließend italienisch, besäße ich Meinungsmacht und trüge große Verantwortung. Und ich würde die Antworten gratis ins Netz stellen.

    Aber ich bin, wer ich bin, und während die Urlaubswäsche trocknet, der Koffer wartet, dass ich endlich diesen Text zustande bringe, erzählt mir die Serie The Hack auf Arte, was echte Journalisten so leisten. Ein harter Job, weit jenseits von Dolce Vita. Mein Ehrgeiz hat die Reiseflughöhe verlassen und befindet sich im Anflug auf die Rente. Aber meine Kinder sind gerade auf der Startbahn.


    Meine Kinder sind außerdem in ihren Auftritten bemerkenswert stilsicher. Die Tochter schwört auf Second Hand, der Sohn pflegt Dandyismus, sie inspirieren mich. Niemals hätte ich mir sonst Horsebite-Loafers gekauft. Und wenn ich das nächste Mal Kleidung brauche, gehe ich zu Rudolf Beaufays. Dort präsentierte Ben Bernschneider am Vorabend unseres Italienurlaubs sein Buch 100 Staple Pieces. Der Autor ist kein Modepapst, sondern ein Menschenfreund. Und sein Buch ist keine Bibel, sondern ein Angebot für Suchende in Sachen Stil und Nachhaltigkeit. Erstaunlich, wie man das missverstehen kann.


    Ja, ich bin für Technologieoffenheit. Deshalb habe ich ich in diesem Jahr einen Airfryer eingesetzt, so oft wie möglich. Bei Portionen für sieben Personen nicht ganz einfach. Aber die Wachteln mit Pommes Frites sind gelungen, auch das Weißbrot zum Frühstück. Die Melanzane al forno hätten mehr Zeit und weniger Hitze gebraucht. Aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen, wie meine Mutter immer sagte.

    Ich wünsche allen eine schöne Woche.

    Thomas Vöcks

    Juni 14, 2026

  • Sonntag, 7. Juni

    Fassen wir uns an die eigene Nase: Unser Ballsaal ist der Heizungskeller. Ermüdend? Aber hallo! Tomaten und Auberginen jonglierend: die Lage der Ästhetik.

    Häme ist nicht angebracht, wenn wir als Deutsche nach Amerika sehen. Sicher, ein Popanz spielt Nero, gefährlich und lächerlich. Aber Häme? Vor ihr sollte die Selbstbetrachtung stehen. Eine kurzer Blick in den Spiegel genügt nicht, der Wurm versteckt sich gern tief im Kerngehäuse. Die Anstalt im ZDF obduziert unser Land sehr sorgfältig und dient auf diese Weise dem Volk der Gebührenzahler; jüngst mit der Demaskierung einer Ministerin. Diese verletzt offenkundig Amt und Grundgesetz, und da der Vortrag satirisch daher kommt, darf zwischendurch lachen, wer es noch kann. Satire schafft Erleichterung, aber keine Erlösung. Stephen Colbert rettet die USA nicht, auch Sarah Bosettis geschliffene Mahnungen sind für die Katz.

    Wenn das Offensichtliche keine Erkenntnis stiftet, ermüdet mein Geist. Deshalb pausiere ich kurz in Italien. Zwischen mir und dem Circus Minimus: die Alpen. Hier lachen die Tomaten und tanzen unter Wölkchen von Mozzarella um die Aubergine.

    Mit kindlicher Freude lote ich aus, was ein Air-Fryer so kann. Melanzane al forno und Frühstücksbrötchen werden nächstes Mal besser. Immerhin gare ich mit Strom; nur, um Katherina zu ärgern, die in ihrem Reiche weilt, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Riesen, die sich anschicken, die Vernunft zu besiegen.

    Ich wünsche allen eine schöne Woche.

    Thomas Vöcks

    Juni 7, 2026

  • Sonntag, 31.Mai

    Eine Brise Finnland: Werden Schulen schön? Eine Welle Menschlichkeit: Nix gelernt, Kanzler? Die schnelle und unbürokratische Lage der Ästhetik.

    Mein erster Schulranzen war aus Rindboxleder genäht, das war damals das Standardmodell. Dazu gehörte eine Brottasche mit Schulterriemen aus dem gleichen Material. Das Leder war so starr wie das Schulsystem. Die Grundschule hatte vier Lernziele: Lesen, Schreiben, Rechnen, Stillsein. Erst nach dieser Dressur, in der fünften Klasse der nächsten Schule, wurde ich wiederbelebt. Musik, Kunst, Deutsch, ich hatte tolle Lehrer. Der Geruch von Leder und Graubrot war verflogen.

    In Hamburg öffnet bald eine Grundschule, die von Anfang an die Zügel locker lässt. Keine Ranzen, offene Räume. Dort könnten freie Geister gedeihen, ich wünsche mir mehr Künstler und weniger Krieger.


    Auf der Suche nach Themen, die Mut machen, habe ich dann noch die Doku Ein Tag im Juli – Ahrtalflut 2021 in der ARD Mediathek gefunden. Sie zeigt, dass Menschen in der Not Menschen helfen. Aber sie zeigt leider auch, was manchen Politiker von solchen Menschen unterscheidet: die Fürsorge. Und das betrifft bei Weitem nicht nur das Ahrtal. Wer die Fürsorge in Regierungen nicht erfährt, sucht sie wo anders, zurzeit gern im Abgrund.


    Nicht gesund, aber yumyum: Gebackenes Hähnchen süß-sauer. Mir ist es gestern ganz gut gelungen, dann schafft ihr das auch. Nächsten Sonntag bin ich wieder in Italien, bin selbst gespannt, was ich da koche.

    Ich wünsche allen eine schöne Woche.

    Thomas Vöcks

    Mai 31, 2026

  • Sonntag, 24. Mai

    Ich versuch’s mal: Könnte der Heilige Geist bitte nochmal vorbeikommen? Dreifaltigkeit unpässlich? Okay, dann bleibe ich ungläubig und bete den Satz des Syrers. Die undogmatische Lage der Ästhetik.

    Warum sollte jemand absichtlich eine Sicherheitsnadel oder eine Batterie verschlucken? Gegenfrage: Warum studiere ich täglich die Nachrichten oder sehe politische Talk Shows? Das Resultat ist jeweils Schmerz, mal im Bauch, mal im Kopf. Am Donnerstag bot Lanz die Gelegenheit, mit akuter Kriegsangst einzuschlafen. Da war sie dahin, die sinnlose Heiterkeit nach den neuen LOL-Folgen.

    Das Psychodrama Swallow handelt von der Obsession einer Frau, gefährliche Gegenstände zu schlucken, sie lebt in einer Luxusvilla. Ihr syrischer Betreuer sagt: Hättest Du den Krieg erlebt, hättest Du dieses Problem nicht. Aber sie hat eigentlich kein Luxusproblem, sondern ein existenzielles. Und das haben wir ja alle, wie uns die Nachrichten erzählen.

    Der Satz des Syrers hat sich irgendwie in die Swallow-Story hinein gemogelt; nun ist er in der Welt und hier sollte er bleiben. Er kommentiert jedes Timmy-Problem einer übersättigten Gesellschaft.


    Für Autoren ist Schreiben ein kreativer Prozess. Dieser erfährt einen gehörigen Schub, wenn der Text handschriftlich verfasst wird, glaubt Helene Hegemann, die zusammen mit vier Regie-Kollegen in Cannes die Gruppe Dogma 25 vorgestellt hat. Deshalb sollen die Drehbücher der Dogmatiker ausschließlich mit Griffel auf Papier entstehen. Ich glaube, Frau Hegemann hat Recht. Stift und Gehirn lassen einem Satz Zeit zum reifen. Denn misslungene Sätze werden durchgestrichen und bleiben als Mahnmale für bessere Konzentration erhalten, das will ja keiner.


    Ich schreibe trotzdem weiter auf dem barmherzigen Computer, der Murks einfach verschwinden lässt. Außerdem sind Dogmen nichts für mich; außer bei italienischen Pastasoßen.

    Ich wünsche allen eine schöne Woche.

    Thomas Vöcks

    Mai 24, 2026

  • Sonntag, 17. Mai

    Eine Lektion für Lehrer Lämpel: Spiel doch mal mit Schmuddelkindern. Der Gang darf, Haltung nicht: elastisch sein. Und die Provence lockt mit Koriander und Basilikum. Die Lage der Ästhetik.

    Hör mal, wer da hämmert, er zimmert Wände aus rustikaler Eiche ins Stadtbild und streicht den Himmel oliv, mit Rohrstockblick auf die Stechuhr. Ein Bundesarchitekt, unbeleckt von Ahnung, worauf die Statik einer Gesellschaft fußt; wie schön, dass ihn das ZDF mit dem Biopic Olivia fortbildet. Ein Lehrstück, das leider in unsere Zeit passt, obwohl die Geschichte in der Vergangenheit spielt. Dabei geht es eigentlich nur um Freiheit und Toleranz. Olivia Jones verteidigt diese Werte mit liebenswerter Bestimmtheit. Das entwaffnet die Front der Herrenmenschen – gelegentlich, aber nicht ewiglich, wie es aussieht.

    Vor zehn Jahren stand Olivia zusammen mit der Ausnahme-Pastorin Annette Behnken für das Wort zum Sonntag auf dem Turm des Hamburger Michel. Im Nachhall einer sterbenden Willkommenskultur durften beide die Vielfalt in Gesellschaften preisen. Ich bezweifele, dass die ARD das heute noch erlauben würde.

    Das Rückgrat der Demokratie wird elastisch. Denn wie der stete Tropfen den Stein höhlt, verbiegt unablässige Politikerschelte irgendwann auch Intendantenrücken. Die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sagt zum Abschied leise Servus? Nicht, so lange es das ZDF Magazin Royal gibt. Vorgestern hat Jan Böhmermann das System noch mal erklärt, ziemlich rabiat, aber das tut Not.


    Aber Geschmeidigkeit kann ja auch schön sein, in Diskussionen, beim Tanzen, im Alter auch beim Schuhwerk. Da bieten sich Turnschuhe an, aber die trage ich nur beim Sport, also nie. Sandalen von Birkenstock trage ich im Urlaub, wenn ich denke, isso warm, egal. Meine Zehen wollen sich kleiden, sie mögen die Nacktheit nicht, das respektiere ich. Jetzt habe ich einen Halbschuh von Birkenstock anprobiert, der sich erschütternd schön anfühlte.

    Neulich träumte ich, dass Udo Lindenberg ein halbes Dutzend dieser Fußschmeichler geordert hat. Sein heutiger Geburtstag verfolgt mich offenbar bis in den Schlaf. Einstweilen schlüpfe ich noch in meine Dinkelacker. Und hoffentlich werde ich auch mal 80.


    In meiner Familie war Salat immer weiß. Fleischsalat, Krabbensalat, Mayonnaise mit Biss, frei von Blattwerk. Mein Verhältnis zum klassischen Salat-Salat ist bis heute von Skepsis geprägt. Neulich entdeckte ich in der Süddeutschen diesen Salade Provençale. Der hat mich begeistert. Das liegt vor allem an dem Dressing mit reichlich Koriander und Basilikum. Mit einem dicken Löffel Honig habe ich der Soße zu noch höheren Weihen verholfen. Und die Paprika habe ich nicht gehäutet, sondern kurz und kräftig gebraten.

    Ich wünsche allen eine schöne Woche.

    Thomas Vöcks

    Mai 17, 2026

  • Sonntag, 10. Mai

    Die Läuterung der biegsamen Rabauken: Wie viel Punk steckt in der Krawatte? Und kann die Rebellion Ein bisschen Frieden herstellen? Sechs Tage vor dem ESC: Die Lage der Ästhetik.

    Es gebe einen neuen Trend, las ich, die Vogelbeobachtung begeistere immer mehr Menschen. Das leuchtet mir ein, es entspannt wohl ähnlich wie das Angeln, und man muss die Vögel nach ihrer Entdeckung nicht mal totschlagen und ausnehmen. Und bestimmt ist es schonender für die Seele auf ein Rotkehlchen zu warten, als auf die nächste Eilmeldung auf dem Handy. Still die Welt betrachten, das ist der Gegenentwurf zum Twittergetöse und zur Schlagzeilenschlacht der Medien. Das Gefecht zwischen Meinung und Gegenmeinung hat sich zu einem Reißverschluss entwickelt, der sich von selbst nach oben zieht. Die Kehle ist nicht mehr weit.

    Vielleicht ergibt sich im Jahr 2034 eine Chance zur Umkehr (vorher wäre schön). In dieser nahen Zukunft spielt ein Musikvideo, das ich gern als Hoffnung lesen würde. Aber ich schreibe hier keine Rezensionen, biete nur den Gedanken kleine Ausflüge an. Regisseur des Videos ist Romain Gavras, die atemberaubende Choreografie leistete Damien Jalet. Bitte habt etwas Geduld, das Wunder tritt erst nach gut vier Minuten ein.


    Mir gefiel schon immer die Idee der Schuluniform. Sie vertuscht weitgehend die soziale Herkunft des Trägers und lässt dennoch Individualität in Nuancen zu. Das zwingt zur Sorgfalt in der Regie des eigenen Auftritts. Der Duden definiert Eleganz als ein äußerliches Phänomen, ich nicht. Eleganz ist eine Entscheidung: Wer will ich sein. Wer diese Frage geklärt hat, kann Gummistiefel tragen oder Borsalino, oder beides. Nur diese Sicherheit erzeugt eine Ausstrahlung, die andere inspiriert.


    Wer gern kocht, aber, wie ich, in einer Miniaturküche werkelt, braucht gute Organisation. Die Süddeutsche hat Schneidebretter getestet; der Testsieger erinnert an das Frankfurter Brett, das aber eher für die fette Kochinsel geeignet ist. Cleanboo ist ein Vater-und-Sohn-Unternehmen in München. Und dieses Brett ist der Hammer.

    Ich wünsche allen eine schöne Woche.

    Thomas Vöcks

    Mai 10, 2026

  • Sonntag, 3. Mai

    Wer Schmetterlinge Lachen hört, ist vor dem Schlimmsten gefeit. Ehrlich währt am längsten, Checker Tobi hat´s geschnallt. Und Kaninchenklopse ohne Sauerkrautsaft? Geht gar nicht. Die Lage der Ästhetik.

    Auf dem abschüssigen Pfad meiner Gedanken strauchelte ich und suchte Halt. Wie immer fragte ich den Baum vor meinem Fenster, diesen Gaukler, der mich, wie stets im Frühling, angrinste wie ein bayrischer Ministerpräsident, ich hätte lieber Schmetterlinge Lachen gehört. Aber der Disco-Hase in mir flüsterte, es gebe da doch was aus dem aktuellen Jahrhundert, und ich kettete mich an den Groove von Yin Yin.

    Aber: Nichts gegen Novalis und seine romantische Trostlyrik. Die Romantik wollte versöhnen, wo bleibt also die Neo-Romantik, außer zwischen meinen Zeilen. In dieser scharfkantigen Zeit schmelzen Versöhnung und Liebe im Mündungsfeuer der Lügen. Respekt und Ehrlichkeit dagegen schaffen Vertrauen, das sagt – sinngemäß – Tobias Krell, der sich als Checker Tobi im Ersten um die Bildung unserer Kinder kümmert. Sein Rezept wirkt aber bei Menschen allen Alters. Unsere Stellvertreter auf dem Planeten Berlin-Mitte sollten sich Tobias´ Worte hinter die Ohren schreiben. Werden sie nicht tun; sie pflügen die Vernunft mit den Schwertern der Lobbyisten. Sonst hätten wir ja längst ein Tempolimit und Gratisstrom aus der Natur.

    Als ich den tollen Dokumentarfilm Tschernobyl 86 – Der Super-GAU sah (hier in der ARD Mediathek), fiel mir auf, dass sich an der Vernebelungsrhetorik bis heute nichts geändert hat. Eher wurde sie perfektioniert. Heizungsmodernisierungsgesetz, Sondervermögen – wie viele Werbetexter sitzen eigentlich auf Ministerschößen? Oder sind es Satiriker?


    Bald geht es wieder nach Italien. In den Marken isst man gern Kaninchen; in Rumänien auch, habe ich gerade in einer neuen Folge Kitchen Impossible gelernt (hier bei RTL+, hier das Rezept). Vielleicht probiere ich das Rezept in diesem Jahr aus, mal sehen, was die anderen sagen.

    Ich wünsche allen eine schöne Woche.

    Und ich wünsche meinem Sohn, der heute 25 wird, alles Glück der Welt.

    Thomas Vöcks

    Mai 3, 2026

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Thomas Vöcks – frei, kreativ, radikal.

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