Tat oder Wahrheit? Lieber nur Tat, dann wird’s auch was mit Reformen. Was sind Reformen? Früher was für’s Wohl aller, ja, Kinder, wirklich. Und nun gebt fein Acht, ich hab euch etwas mitgebracht: die heißkalte Lage der Ästhetik.
Mein Kühlschrank war kaputt. Wäre kein Problem, wenn die soziale Kälte im Land meine Butter frisch hielte, aber das tut sie nicht. Mein neuer Kühlschrank wurde in China gefertigt, der Verkäufer empfahl mir dringend, eine fünfjährige Garantie zu erstehen, aber ich sagte was von chinesischer Wertarbeit und lehnte ab. Er hat mich nicht aus dem Laden gejagt, obwohl er Lust hatte, das konnte ich sehen. Statt dessen zeigte er mir die Kalte Schulter. Deutsche Überheblichkeit ist sehr 20. Jahrhundert, und am Ende gestattete der helmutkohlige Mann den Kauf. Die kältesten aller Schultern aber sind die kalkulierten Lügen. Sie ragen aus den Nachrichten wie Eisschollen.

Immerhin ist die Lüge gerecht, sie vernebelt Wahrheiten flächendeckend. Und flackert mal die Funzel der Erkenntnis; versucht jemand, das Irrationale in das System der Vernunft zu sortieren. Dann eilt sogar ein Spiegel-Chefredakteur sonntags an die Tastatur, damit wir diese unselige Kirche im verdorbenen Dorf lassen. Sagen, was ist? Was sein könnte? Oder nicht sagen, was ungeheuerlich ist? Wahrheit ist eine schwache Währung, wer in sie investiert, riskiert vielleicht nicht den Kopf, aber womöglich Hals und Kragen.

Ich weiß jetzt, warum ich trotz meines Alters vor Kraft strotze und meine athletische Silhouette nie verlor: Meine Oma hat mir regelmäßig süß-saures Ragout vom Rinderherz zubereitet. Herz und Leber gehören zu den Lieblingsspeisen des norwegischen Fußballhelden Erling Haaland. Der Mann hat Geschmack! Und die Stirn, seine ganz und gar unmodernen Vorlieben zu Protokoll zu geben. Es gibt sie noch, die Furchtlosen.
Ich wünsche allen eine schöne Woche.
Thomas Vöcks

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