Gehen wir in die Irre wie Schafe? Vielleicht hatte Jesaja recht. Und falls ja: Gilt das für die Anstalt oder Die Anstalt? Die Lage der Ästhetik am Tag des Endspiels.
Wenn ich meinen Herd putze, freut er sich, piep, piep, piep, ich hab dich lieb, in der Induktion steckt viel Emotion. In mir auch, aber ich kann sie nicht so klar artikulieren wie das Gerät. Die Gesamtsituation erscheint mir schön und schrecklich gleichermaßen. Oder, wie der gefährliche Dichter Danger Dan singt, ich hab immer das Gefühl, hier gehöre ich nicht hin.

Zur dunklen Seite meines Sentiments gehört eine schwelende Angst. Ich fürchte um das Glück, in einem wundervollen Land zu leben. Damit bin ich nicht allein, oder, wie der Gefährliche singt, die meisten meiner Freunde haben das gleiche Problem. Es ist schön, wenn ein Künstler diffuse Gefühle in Musik übersetzt. Darüber hinaus kann die Kunst auch auf Fragen antworten, die meistens in der Ratlosigkeit verhallen. Das ist tröstend, aber brandgefährlich.

Denn manches Gift wirkt, bevor es verabreicht wird.

Ich muss mein Verhältnis zu Schafen überdenken. Grasen, kacken, blöken, von wegen. Sie machen sich durchaus tiefgründige Gedanken, halten sich für die Krone der Schöpfung und ahnen nicht, dass sie einst zur Schlachtbank geführt werden. Sie sind wie wir.

Morgen fahre ich für eine Woche nach Bayern. Ein Paradies für Liebhaber von Wurst, Sülze und sonstigen Schweinereien. Nun finde ich es unangebracht, geradezu söderisch, nach der Fabel von den Schafen ungehemmten Fleischgenuss zu propagieren. Denn es geht auch anders:

Ich wünsche allen eine schöne Woche.
Thomas Vöcks



