Sonntag, 17. Mai

Eine Lektion für Lehrer Lämpel: Spiel doch mal mit Schmuddelkindern. Der Gang darf, Haltung nicht: elastisch sein. Und die Provence lockt mit Koriander und Basilikum. Die Lage der Ästhetik.

Hör mal, wer da hämmert, er zimmert Wände aus rustikaler Eiche ins Stadtbild und streicht den Himmel oliv, mit Rohrstockblick auf die Stechuhr. Ein Bundesarchitekt, unbeleckt von Ahnung, worauf die Statik einer Gesellschaft fußt; wie schön, dass ihn das ZDF mit dem Biopic Olivia fortbildet. Ein Lehrstück, das leider in unsere Zeit passt, obwohl die Geschichte in der Vergangenheit spielt. Dabei geht es eigentlich nur um Freiheit und Toleranz. Olivia Jones verteidigt diese Werte mit liebenswerter Bestimmtheit. Das entwaffnet die Front der Herrenmenschen – gelegentlich, aber nicht ewiglich, wie es aussieht.

Vor zehn Jahren stand Olivia zusammen mit der Ausnahme-Pastorin Annette Behnken für das Wort zum Sonntag auf dem Turm des Hamburger Michel. Im Nachhall einer sterbenden Willkommenskultur durften beide die Vielfalt in Gesellschaften preisen. Ich bezweifele, dass die ARD das heute noch erlauben würde.

Das Rückgrat der Demokratie wird elastisch. Denn wie der stete Tropfen den Stein höhlt, verbiegt unablässige Politikerschelte irgendwann auch Intendantenrücken. Die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sagt zum Abschied leise Servus? Nicht, so lange es das ZDF Magazin Royal gibt. Vorgestern hat Jan Böhmermann das System noch mal erklärt, ziemlich rabiat, aber das tut Not.


Aber Geschmeidigkeit kann ja auch schön sein, in Diskussionen, beim Tanzen, im Alter auch beim Schuhwerk. Da bieten sich Turnschuhe an, aber die trage ich nur beim Sport, also nie. Sandalen von Birkenstock trage ich im Urlaub, wenn ich denke, isso warm, egal. Meine Zehen wollen sich kleiden, sie mögen die Nacktheit nicht, das respektiere ich. Jetzt habe ich einen Halbschuh von Birkenstock anprobiert, der sich erschütternd schön anfühlte.

Neulich träumte ich, dass Udo Lindenberg ein halbes Dutzend dieser Fußschmeichler geordert hat. Sein heutiger Geburtstag verfolgt mich offenbar bis in den Schlaf. Einstweilen schlüpfe ich noch in meine Dinkelacker. Und hoffentlich werde ich auch mal 80.


In meiner Familie war Salat immer weiß. Fleischsalat, Krabbensalat, Mayonnaise mit Biss, frei von Blattwerk. Mein Verhältnis zum klassischen Salat-Salat ist bis heute von Skepsis geprägt. Neulich entdeckte ich in der Süddeutschen diesen Salade Provençale. Der hat mich begeistert. Das liegt vor allem an dem Dressing mit reichlich Koriander und Basilikum. Mit einem dicken Löffel Honig habe ich der Soße zu noch höheren Weihen verholfen. Und die Paprika habe ich nicht gehäutet, sondern kurz und kräftig gebraten.

Ich wünsche allen eine schöne Woche.

Thomas Vöcks


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