Am 30. Mai ist alles vorbei, hat Udo Lindenberg mal gesungen. Jedenfalls nicht in diesem Jahr, hoffe ich mal. Aber mein Lieblingsjahr wird 2025 sicher nicht. Das Lesen der Nachrichten scheint mir schädlich, als würde es einen Tumor namens Trübsinn nähren. Regelmäßig besteige ich eine musikalische Zeitmaschine. Neue Musik, die mich in eine Costa-Brava-Disco der 80er beamt – in eine Zeit also, in der meine Knochen noch elastisch und Sorgen Sörgchen waren. Tanzt gern mit:
Tweed-Jacket, Bundfalte und ein wiedergeborener George Harrison, ich genieße den Blick in meinen biografischen Rückspiegel. Und doch würde ich gern eine schöne Zukunft erwarten. Ein kreatives Deutschland mit intelligenten Antworten. Statt dessen: Arbeitet härter, werdet kriegstüchtig. Und Work-Life-Balance ist neuerdings ein verlachtes Konzept. Deutschland ist Persil: Da weiß man, was man hat. Arbeit ist seit der Leistung von Trümmerfrauen die Antwort auf alles. Deutschland trägt Scheuklappen und hat Bohnen in den Ohren. Volkswagen kriselt, weil der Laden Quatschautos baut, statt elektrische Volkswagen. Wärme spüren wir nur im Angesicht von Verbrennung. Windkraft verspargelt die Landschaft und Wolken sind Solarfinsternis. Es herrscht geistige Windstille in Berlin. Und wer mal gute Ideen hat, ist zu blöd, sie den Menschen zu erklären. Danke, Habeck!
Ich glaube, Spongebob wird sich das nicht mehr lange gefallen lassen. Und ich marschiere mit ihm. Zur Sonne, zur Freiheit.
Ich habe nicht viel für’s Ballett übrig. Ich unterstelle den Sparkassenabteilungsleitern in der CDU-Spitze mal, dass es ihnen ähnlich geht. Sie sollten dennoch das Lenbachhaus in München besuchen, wo gerade das Werk Collective Action des Choreografen Richard Siegal mit einer Video-Installation gefeiert wird. Laut Monopol behandelt Siegal „Fragen nach Individuum und Kollektiv, Disziplin und Freiheit und Kunst und Sport“. Die Kunst stellt eben gerade dann die richtigen Fragen, wenn alles falsch läuft.
https://www.monopol-magazin.de/wohin-am-langen-wochenende-1

Auch dem Hamburg Ballett empfehle ich einen Betriebsausflug ins Lenbachhaus. Zärtlich formuliert knirscht es zwischen dem neuen Intendanten Demis Volpi und vielen Tänzern der Compagnie. Peter Laudenbach analysiert die Krise in der Süddeutschen und schreibt diesen wunderbaren Satz: „Vorgesetzte sind von ihren Untergebenen mindestens so abhängig wie diese von ihnen.“ Den Artikel sollte der CDU-Herrenclub auf der Bahnfahrt Berlin-München unbedingt lesen (gibt’s umsonst!) – mit Blick auf uns, das Wahlvolk, also die Chefs.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/hamburg-ballett-volpi-druck-solistenkuendigungen-li.3259287
Das war jetzt alles etwas grimmig, tut mir leid. Aber manchmal weht ein rauer Wind.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks




