Super-8-Filme können beglücken. Welche Geschichten sie erzählen, ist beinahe egal; das Glück sprießt aus dem Erleben eines Bewegtbildes, das die Wirklichkeit sucht und dieser Vergeblichkeit trotzt. Diese Leistung verleiht dem Super-8-Film mehr Würde, als die Kollegen HD und 5K ahnen. Und weil mir Würde gerade so selten begegnet wie gute Nachrichten, habe ich es diese Woche genossen, alte Flimmerfilme aus meiner Jugend wiederzusehen. Mein bis heute bester Freund und ich waren seit den 1970er Jahren erst Hörspielproduzenten (im Kinderzimmer) und dann Filmemacher (im Homeoffice). Unser Film Kam der Mensch entstand in meiner ersten eigenen Wohnung und wurde von der Jury beim Filmfest Werl leider völlig verkannt.
Alle Menschen werden Brüder (not)
Dieser Film entstand 1982, Waldsterben, Ölkrise, Kalter Krieg, der junge Mann sorgte sich offenbar. Was ich so schön finde an dieser Begegnung mit meiner alten Angst: Sie fühlt sich heute milder an, als damals. Ich versuche nicht, etwas daraus zu lernen. Es ist wie in jenen Tagen: Ich warte auf den nächsten Tag. Der Unterschied zu damals: Der Traum von einer friedlichen Weltgesellschaft ist verblasst wie ein alter Super-8-Film.
Die Träume der – im weitesten Sinne – Hippie-Ära werden inzwischen natürlich als naiv denunziert. So funktioniert seit Jahrzehnten die Strategie der Konservativen, die sich zunehmend zu faschistischen Zirkeln destillieren. Ein emotionaler Ausflug in die Zeit, in der nicht alles gut war, aber alles möglich schien, lohnt sich allemal: Daisy Jones & The Six:
Seit Amazon Filme mit Werbung aufhübscht, begegnen mir überraschend gute Spots. Haribos Kindersprech-Plot ist ein großartiger Einfall.
Ähnlich reduziert: Die Google-Pixel-Kampagne zur Frauenfußball-EM in der Schweiz. Virtuos! Aber warum geht es da um Italien?
Überwachungskameras greifen an wie Hitchcocks Vögel, Safari schießt sie alle ab. Der Browser beschirmt deine geheimen Exkursionen im Netz. Ein großes Versprechen, perfekt erzählt.
Ich bin auf dem Weg nach Italien. Kochen bis die Töpfe glühen, Olivenbäume spenden der Seele Halbschatten. Gitarre und ich und viele Freunde.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks

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