Ein Satz hat mich diese Woche aus dem hitzebedingten Dämmerzustand gerissen: „Die KI ist dumm.“ Der Fotokünstler Wolfgang Tillmans gab diese Provokation in der Zeit zu Protokoll. Das ist endlich mal schönes Querdenken, geradezu bunkerbrechend. Es gehe der KI nur um Durchschnittswerte und Wahrscheinlichkeiten. Aber es gebe kein Zurück mehr, weil bereits hunderte Milliarden in die Entwicklung investiert wurden. Tillmans: „Die Welt und ihr soziales Gefüge können es gerade eigentlich nicht vertragen, dass noch mal Millionen Jobs abgebaut werden, um sie durch KI-Bots ersetzen zu lassen.“ Das leuchtet ein und erzeugt ein unangenehmes Gefühl, aber die Welt und ihr soziales Gefüge folgen einem erprobten Selbstschutzprogramm: dem fröhlichen Fatalismus. Das Biest kommt ja sowieso, wo können wir es toll benutzen und wie können wir es beherrschen. Ich frage mich, wer da wen beherrscht. Ich glaube, wir putzen der KI die Stiefel.
Aber die Gewöhnung mildert diesen wie jeden Schrecken, auch den Verlust der Höflichkeit. Mein jährlicher Urlaub in den italienischen Marken ist – neben meinem Abenteuer als höchstens gehobener Dilettant am Herd – ein Trainingslager für achtsamen Umgang. Wir sind sieben sehr unterschiedliche Menschen, und das Ziel unserer abendlichen Diskussionen über, nicht Gott, aber die Welt, ist, die eigene Sicherheit auf den Prüfstand der Anderen zu stellen. Im Idealfall verlassen wir die Tafel reicher, als beim Hinsetzen. Klappt nicht immer. Aber die Aggressivität der „Sozialen Medien“ (denen wir uns fröhlich fatalistisch ergeben) hat an unserer Tafel immerhin keinen Platz.
Ich höre wenig Musik während dieser Italienreisen, die Supermarktbeschallung hat mich aber ermuntert, mal wieder Robbie Williams zu lauschen. Könnte ich Zutaten zu meiner Biografie kaufen, ich würde für sein Talent jeden Kredit aufnehmen. Eine Zeile hätte immerhin auch ohne diese Investition von mir stammen können: I’m doing everything I can / To be a better man.
Hier ein Ausschnitt aus seinem großartigen Konzertfilm Live at Knebworth:
Und eines Tages sehe ich mir seinen Spielfilm an.
Meine kulinarischen Highlights dieser Woche waren Spaghetti Vongole mit San-Marzano-Tomaten (es gibt sie wirklich!)…

Hähnchen aus dem Steinofen (der steht hier wirklich auf dem Grundstück)…

und eine Aprikosen-Tarte. An dieser Stelle danke ich Agar Agar und Xanthan für die freundliche Unterstützung.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks

Hinterlasse einen Kommentar