Heute feiern die Menschen in den USA ihren Nationalfeiertag, die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776. Okay, nächstes Thema. (Ich empfehle trotzdem die Peter-Thiel-Story als DLF-Podcast:)
https://www.deutschlandfunk.de/die-peter-thiel-story-100.html

Jetzt mal eine schöne amerikanische Geschichte:
Die Kunst reagiert gern auf die Zeitläufte. Und sie reagiert anders, als die Gesellschaft: nicht brav, sondern trotzig und rotzig. Daran erinnert eine Arte-Doku, die sich dem Abstrakten Expressionismus widmet. Malen ohne Regeln heißt der Film. Liest man die YouTube-Kommentare, provoziert abstrakte Kunst bis heute: „Schmiererei“, „Kann ich auch“, „Kann mein Kind auch“, „Ist keine Kunst“. Schade, dass so wenige Menschen bereit sind, etwas Sonne in ihre traurigen Herzen zu lassen. Es befreit, sich mit Ideen von Künstlern zu befassen, Künstler reißen Mauern ein, bauen Brücken und lehren dich zu fliegen.
Die Doku konzentriert sich auf Helen Frankenthaler, Lee Krasner, Joan Mitchell und Jackson Pollock. Es sah damals, im New York der 50er und 60er Jahre, so aus, als hätten sich die Künstlerinnen aus dem Schatten der männlichen Kollegen herausgekämpft. Doch dann starb Pollock und alles kam anders.
https://www.arte.tv/de/videos/120470-000-A/malen-ohne-regeln/
Malen ohne Regeln kann gute Gründe haben, aber grundsätzlich mag ich Regeln, sie erleichtern mein Leben. Erst den linken Schuh, dann den rechten anziehen, unter der Dusche folge ich einer immer gleichen Choreographie, im Straßenverkehr mindern Regeln Gefahr und Stress. Die Regeln für Raucher allerdings schränken seit Jahren mein Genussleben ein. So sehr ich die Gängelung verstehe, so sehr trauere ich um die alten Zeiten, als alle qualmten. Jetzt las ich, dass an französischen Stränden Rauchverbot herrscht. Ich mag Strände nicht (Sand!), aber ich frage mich, wie Alain Delon das finden würde.

Nun zur Welt der Michelin-Regeln. Ich hatte mich auf die vierte Staffel von The Bear gefreut. Leider ist die Kluft zwischen Anfang und Ende der Bear-Story so groß wie die zwischen Herz- und Sterne-Küche.
Ich bin mehr Team Mälzer, als Team Raue. Und ich bin Team Graciela:
Wir haben keinen Independence Day, aber Deutschland feiert heute zum ersten Mal den bundesweiten Tag der Gießkanne. Es geht um die Pflege der städtischen Bäume, das ist ja eine gute Idee, das Grün lindert das Leiden unter der Hitze im urbanen Raum. Die Bewohner der oberflächenversiegelten Siedlungen mögen bitte Gießen gehen. Der Staat kann sich nicht um alles kümmern.
Alles ein bisschen viel und kompliziert und hässlich und schade und schockierend und oft auch schön in dieser verdammten Gegenwart. Vielleicht sollten wir öfter mal morgens liegenbleiben. Denn Liegen ist Frieden:
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks

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