Freitag, 11. Juli

Ein Leben ohne Harmonie ist sinnlos. Harmonie ist eine Teamleistung gegensätzlicher Charaktere. Eine Sauce ist nur Kleister, wenn Salz, Säure und Süße einander keinen Raum geben. In einem Pesto muss der Pinienkern das Basilikum respektieren.

Die Komponente Bitter wird oft unterschätzt, aber der Gaumen liebt sie – wenn sie zärtlich daher kommt. Wenn Bitter regiert, ist der Teller allerdings verloren. Wer mag und keine Angst vor Enttäuschungen hat, kann diese kleine Harmonielehre auf unsere Gesellschaft anwenden. Oder auf die Welt. Aber viel schöner ist es, sich musikalisch der Harmonie zu ergeben.

Jacob Collier ist nicht nur ein Magier, der tausend Menschen mal eben zu einer musikalischen Orgie bewegt, er spielt auch alle Instrumente, als hätte er sie erfunden. Sein Gefühl bewegt seine Finger. Und es ist ein gutes Gefühl, Collier predigt den schönsten aller Sätze: Alle Menschen werden Brüder. (Und, natürlich, Schwestern und alle dazwischen und außerhalb, aber das konnte Schiller nicht wissen.)

Bald werde ich mein Restleben der Harmonie widmen. Mit Farben und Dingen. All die Frames und Timecodes, die Tonspuren, ein gigantischer Berg von Dreißigsekündern, längst versendet, verdunstet, ein Haufen Nichts, das wird meine berufliche Hinterlassenschaft sein. Ich werde dann meine Tage vor Leinwänden verbringen und mal was schaffen, was bleibt. Etliche Schauspieler und Musiker (mit denen ich mich nicht vergleichen will) hatten wohl ähnliche Gedanken, erfuhr ich im Spiegel.

https://www.spiegel.de/kultur/ed-sheeran-verkauft-kunst-welche-prominenten-noch-malen-von-sharon-stone-bis-brad-pitt-a-d5a66a06-84c2-4195-a69d-6c6119449408

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

Thomas Vöcks


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