Freitag, 18. Juli

Wie steht Friedrich Merz zur Coca-Cola-Rezeptur? Worüber lacht Jens Spahn? Ich weiß es nicht. Und möchte ich Verfassungsrichter werden? Ja, aber ich will nicht zu Lanz. Die Lage der Ästhetik: Mut und Risiko.

Im wirklichen Leben scheue ich das Risiko. Jedenfalls jetzt, nach einigen Jahrzehnten der Reifung, davor war das anders, ich mag gar nicht daran denken. Jedenfalls fahre ich nun langsam und umsichtig Auto, habe stets eine Hand am Treppengeländer, und auf keinen Fall würde ich noch einmal Ski fahren. Im Beruf verhalte ich mich ganz anders. Da reiche ich manchmal Konzepte ein, von denen ich weiß, dass sie im Pitch chancenlos sind. Ich würde mich sonst langweilen. Und vielleicht will ich auch protestieren: gegen die Stromlinienform, die „mein“ Sender idealisiert. Denn die führt zur Mittelmäßigkeit.

Ich komme auf dieses Thema, weil die Journalistin Carolin Matzko in der Süddeutschen von alten Zeiten im Radio geschwärmt hat, in denen sich Moderatoren noch frei und – aus moderner Sicht – unmöglich verhalten konnten. Sie preist die Epoche, in der „Persönlichkeiten, die niemals durch ein Casting nach heutigen Parametern kommen würden, sondern damals aufgrund ihrer Expertise und ihres speziellen Sounds quereinsteigen und vor dem Mikro landen konnten.“ Ganz recht! Würde der junge Carlo von Tiedemann heute noch einen Fuß in die Tür des NDR bekommen? Und das betrifft nur die Unterhaltung.

https://www.sueddeutsche.de/medien/bayern2-live-radio-carolin-matzko-jamila-schaefer-li.3284283

Würde man heute furchtlosen Provokateuren wie Hermann Schreiber, Reinhard Münchenhagen, Alida Gundlach oder Michael Jürgs noch die Moderation der NDR Talk Show antragen? Nein, denn die Show ist heute eine heitere PR-Veranstaltung. Ist aber nicht alles schlecht. Wo Reschke oder Panorama drauf steht, ist auch tapferer Journalismus drin.

Mein Sohn hat mich gerade auf ein Format hingewiesen, das in seiner Generation (geb. 2001) wahrscheinlich eine größere Rolle als der öffentlich-rechtliche Rundfunk spielt:

Die Simplicissimus-Truppe kann jetzt ungestört zum Reichtum der Kirchen recherchieren. Bis Mai 2022 produzierte die Redaktion für FUNK, lieferte also dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu. Dort regieren die Kirchen kräftig mit: in Gremien, eigenen Redaktionen und Tochterunternehmen.

Darauf ein herzerwärmendes Kartoffelpüree:

Ich setze auf wenig Butter, viel Milch und reichlich Frühlingszwiebeln.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

Thomas Vöcks


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