Freitag, 8. August

Streaming-Tipp: Wer hören kann, muss fühlen. Bürgergeld: Zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt. Und: Lieber Vesuv, bitte nicht in diesem Sommer! Die Lage der Ästhetik.

Widerstand und Sieg, das klingt wie Eis mit heißen Himbeeren, kriegt man beides selten. Widerstand ist oft ein Minderheitending, und meistens verlieren die Minderheiten. Der Apple TV+ Dokumentarfilm Deaf President now! ist Eis mit ganz viel Himbeersoße.

Dem Film gelingt, was die öffentliche Diskussion meist verbockt: echte Empathie zu erzeugen, in diesem Fall für Gehörlose und deren Blick auf die Welt der Hörenden. Aber während ich den Protagonisten zuhörte (deren Off-Stimmen), dachte ich auch an andere Gruppen, deren Leben ein ständiger Kampf ist. Wie fühlen sich wohl Einwanderer und deren Nachkommen, die seit Ewigkeiten in Deutschland leben, aber auf ewig als Ausländer wahrgenommen werden? Oder Bürgergeldempfänger, die als Universalschuldige gebrandmarkt werden (seit Habeck sich zurückgezogen hat)? Im Film verzichten die Gehörlosen auf Vorwürfe gegen die Mehrheitsgesellschaft. Das erleichtert den Zugang zu ihrer Perspektive. Eine andere Minderheit hingegen gängelt die Mehrheit seit Jahrzehnten. Saugt sie aus und verachtet sie. Ich glaube, Milliardäre fühlen sich nicht ausreichend geliebt.

Diese ganzen Milliarden machen einen ja auch ganz meschugge. Dass sich Ronald McSöder an so viel fleischlosen Moneten verschluckt, ist verständlich. Aber das ZDF? Zum Glück hat der eloquente Herr Küppersbusch nachgerechnet.

Es ist Sommer, die Nachrichten zum Weglaufen, warum nicht nach Kampanien fliehen? Am Fuße des Vesuv wächst spektakuläres Gemüse, und die neapolitanische Pizza ist sowieso einmalig. Es ist eine Genussgegend. Ganz Italien ist eine Genussgegend, könnte man zu recht einwenden. Aber der Vulkan, der Zugang zum Reich der Toten, ist eine tickende Zeitbombe. Ein Obstbauer erklärt die kompromisslose Küche in Kampanien so: „Jeder Tag könnte der letzte sein.“ Und niemand möchte einen Big Mac als Henkersmahlzeit, jedenfalls keiner außerhalb der Bayerischen Staatskanzlei.

Wer in der Gegend ist, dem empfehle ich einen Tagesausflug zur Insel Procida, wo einige Szenen von Der talentierte Mr. Ripley gedreht wurden. Wer sich ordentlich kleidet und in einem der Restaurants an der Marina Corricella sitzt, fühlt sich automatisch wie ein Dandy aus vergangenen Zeiten.

Ich wünsche alles ein schönes Wochenende.

Thomas Vöcks


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