Diese lähmende Mirdochegalstimmung manchmal. Bleibt nur Träumen: von Eulen, einem gelben Doppeldecker und ozeanblauen Augen. Mein Segelflug durch die Lage der Ästhetik – diesmal aus dem Friseursalon.
Durch Zufall stolperte ich über einen kurzen Film der BBC über den Flug der Eulen.
Ich habe den Clip morgens gesehen, nach dem Genuss der Schlagzeilen, der wieder keiner war. Dann ging ich zum Friseur, dort ist die Welt ja immer in Ordnung. Mein Haar wird, anders als ich, immer dünner, aber die Sizilianerin an der Schere ist eine Meisterin der Vertuschung. Während Daniela also Fülle simuliert, wo keine ist, denke ich an den lautlosen Flug der Eule. Denke an Ikarus, dessen Plan nicht dümmer war, als unser Wachstums-Kult. Denke an Drohnen, die ohne Widerspruch fliegen, stürzen und töten. Was ist bloß aus dem schönen Traum vom Fliegen geworden? Und dann, unvermeidlich, komme zur wahrscheinlich schönsten Flugszene der Filmgeschichte.
Der mit den Augen spielte, mit Halbsekundenblicken, ozeanblau.
Seit vielen Jahren suche ich nach einem Cordanzug wie ihn Redford als Bob Woodward trug; für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar.

Robert Redford hat mich in vielen Rollen inspiriert; als Reporter in Die Unbestechlichen schubste er mich in den Journalismus. Bei der Segeberger Zeitung spürte ich Ende der 80er, wie wichtig dieser Job sein kann, es müssen ja nicht immer Präsidenten gestürzt werden. Der Lokaljournalismus ist eine der Herzkammern der Demokratie. Leider merkt man das erst, wenn die Kammer flimmert. Die Serie The Paper bei WOW handelt vom Sterben der kleinen Zeitungen von um die Ecke. Sehr amüsant, aber angesichts der gegenwärtigen Probleme der freien Presse in den USA etwas oberflächlich.
Während ihrer letzten Handgriffe erzählte mir die Friseurin noch eine Mafiageschichte aus der Heimat ihrer Familie. Wenn das Wort Sizilien in den kulinarischen Teil meines Hirns dringt, denke ich unwillkürlich an ein sehr einfaches Nudelgericht, das Jamie Oliver vor Ort kennenlernte.
Ich bin heute auf dem Weg nach Bayern, wo der Fleischer Metzger heißt, der Wurstkönig Hoeneß und sein Vorkoster Söder. Meine Frisur ist adrett, ich verhalte mich unauffällig und genieße all die köstlichen, ungesunden Lebensmittel. Hoffentlich hält der Viktualienmarkt noch ein paar Pilze bereit. Und hoffentlich erlange ich irgendwann mal die Weisheit der Eule.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks

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