Drohnen werfen ihre Schatten voraus, alle gehen sich an die Gurgel, Herbst der Entgleisungen. Ein Plädoyer für Papier und Federhalter, Slow Motion und very Slow Food. Die Lage der Ästhetik am Freitag, der eine blasse Hoffnung feiert.
Die sogenannte Wirklichkeit formt uns zu Suchenden: nach Haltegriffen an den Zellophanwänden der Gegenwart, nach Weissagung, guten Gesprächen und Lasagne. Alles geschieht zu schnell. Oder zu langsam? Nicht mal das ist leicht zu klären. Stimmt nicht ganz. In puncto Lasagne hat Alvin Zhou natürlich eine Antwort:

Auf den elektrischen Korridoren ist Geschwindigkeit ein Gift, das mit Hingabe hingenommen wird. Mit Affenzahn fliegen die Streubomben der Meinungen am Dialog vorbei. Oder, wie Felix Dachsel in seiner Rezension des Buchs Was darf Israel? formuliert: Auf den Halden des Internets kommt es täglich hunderttausendfach zur „Spontanentleerung des Gefühlshaushalts“. Die Autoren, Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad, haben sich hingegen viel Zeit genommen und einander Briefe geschrieben.

Womöglich waren die Briefe der beiden auch noch handgeschrieben mit einem Füllfederhalter. Kein anderes Schreibgerät schafft ein vergleichbar schönes Schriftbild – wenn der Verfasser den Umgang mit Feder und Tinte gelernt hat. An manchen Schulen wird diese Kunst noch gepflegt. Sie fördert die Feinmotorik, zwingt zur gemächlichen Niederschrift und schafft auf diese Weise Raum für Konzentration; könnte also besonnene Dialoge fördern.

Das Foto oben erinnert mich an meine Schulzeit, vor allem die Schönschreib-Linien am rechten Tafelflügel. Und der Look der Lehrerin passt perfekt in die Sixties. Viele junge Frauen wollten damals aussehen wie Uschi Nerke, die Moderatorin des Beat-Club. Vor 60 Jahren startete dieses seinerzeit revolutionäre Format bei Radio Bremen.
The Beat Goes On – ab 4. Oktober in der ARD Mediathek.
Man traute sich was an der Weser. Von Mut, Dummdreistigkeit und gelungener Kommunikation handelt die Doku Der talentierte Mr. F, ebenfalls in der ARD Mediathek. Es ist die verrückte Geschichte eines Kunstraubs. Ein schräger Amerikaner klaut einen Film, gewinnt damit Preise – und bekommt dann Besuch von den deutschen Urhebern, den Filmemachern Julius Trost und Moritz Henneberg. Der perfekte Film zur Lasagne.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks

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