Freitag, 7. November

New York leuchtet, Deutschland setzt auf Gaslampen. Im Süden nichts Neues, aber ich lasse mir Bayern nicht versödern. Apropos: Nicht in der Wurst, in der Aubergine liegt die Wahrheit. Die gestrige Lage der Ästhetik.

Zu meiner eigenen Überraschung hege ich eine heimliche Liebe zum Bajuwarischen. Ich glaube, die hat mir mein Vater beschert. Schon deshalb war ich auf den Zweiteiler Sturm kommt auf im ZDF gespannt. Außerdem empfinde ich es als meine Bürgerpflicht, mich regelmäßig mit Deutschlands dunkelsten Stunden zu befassen, gern auch in fiktionaler Bearbeitung. Da ist natürlich wenig Neues zu erfahren. Aber die Perspektive einer bayrischen Dorfgemeinschaft verrät viel darüber, welchen Wert der Begriff Charakter im Freistaat genießt. Das ist zum großen Teil leider dem Katholizismus geschuldet, aber sei’s drum.

Soviel zur Vergangenheit. Wer die Zukunft sucht, findet sie nicht in Deutschland. Hier regiert die Sehnsucht nach dem Gestern, manchmal sogar Vorgestern. Die Chuzpe, mit der uns die Heilkraft von Gas und Öl gepredigt wird, ist grotesk. Charlie Chaplin wäre bestimmt ein Film eingefallen, der das Schmierentheater der Gegenwart wenigstens in die Kunstgeschichte einsortiert hätte. Vielleicht übernimmt das Bully Herwig, statt noch einen Cowboyfilm zu drehen. Die Realsatire wurde am Sonntag im Ersten aufgeführt.

Wesentlich amüsanter hat Die Anstalt den Irrsinn schon im Oktober im ZDF erklärt.

Die Süddeutsche spießt ein Detail der Groteske auf: Wie Oliver Blume, der Hauptschuldige in der Causa Volkswagen/Porsche, sich feiert. Und wie er mit kindlicher Begeisterung vom elektrischen Cayenne schwärmt. Das Monstrum beschleunigt mit 1000 PS und brüllt über Lautsprecher wie ein V8-Motor.

Es müsste ein gehöriger Ruck durch Deutschland gehen, wollten wir die Vernunft wieder ernsthaft ins Gespräch einladen. Ein Zohran Mamdani täte uns gut, ich wäre aber auch mit Ines Schwerdtner oder Heidi Reichinnek zufrieden.

Neulich hat mir mein Sohn eine Parmigiana di Melanzane gekocht, mit einem perfekten Ergebnis. Die köstlichste Art, Aubergine zu essen. Vielleicht gebe ich die Leidenschaft fürs Kochen weiter wie mein Vater die Bayern-Macke.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

Thomas Vöcks


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