Ach ja. Es ging ja mal ums Dichten und Denken. Heute lieber schuften und sterben. Und immer schnell besserwissen. Macht müde und mürbe. Absicht? Aber hallo! Meine leider etwas grimmige Lage der Ästhetik.
Das Wort Arbeit löst in mir kein Glücksgefühl aus. Wer mich deshalb faul schimpft, dem sei verziehen. Wir können uns schwer der quasi-religiösen Verehrung der Mühsal entziehen; die Frage nach dem Sinn des Lebens scheint geklärt: Schuften. Die Hohepriesterin dieser Weltanschauung (oder ihr Avatar?) hat es zur Ministerin gebracht.
Ein besonders schwerer Fall von Arbeit ist das Aufarbeiten. Wir Deutschen trainieren dieses Ritual seit Jahrzehnten. Es geht immer darum, vergangene Handlungen aus gegenwärtiger Perspektive moralisch zu bewerten. Das ist nicht besonders schwierig, wenn es um Kolonialismus, Völkermord oder den Schießbefehl geht. Aber wie soll sich das Individuum in Unrechtsstrukturen verhalten? Wissen wir heute alles besser und brechen schnell mal den Stab.
Katarina Witt kann ein Lied davon singen. Eine Doku-Serie in der ARD Mediathek (ab 27. November) begleitet sie und uns auf das dünne Eis der Vergangenheit.
Zum Einfühlen und Erinnern empfehle ich den Fernsehfilm KATI – Eine Kür, die bleibt in der ZDF Mediathek.

Katarina Witt wirkt heute als Persönlichkeit sehr stabil. Wer mit einer dünneren Schicht aus Selbstsicherheit durchs Gewimmel der Rechthaberei tanzt, kann sich schon mal selbst verlieren. Man nennt diese Scheinwirklichkeit schmeichelnd Social Media. Aber es sind digitale Landminen, zwischen denen wir lavieren. Wie dieses Bewusstsein jüngere Generationen prägt, werden wir erleben.
Es geht doch im Leben nicht darum, hart zu arbeiten oder Mitmenschen zu drangsalieren. Es geht darum, als Mensch besser zu werden.

Ich wünsche allen Würstchen und Kartoffelsalat zu Weihnachten – und ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks

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