Elitär ist, wer élitär schreibt. Der Rücken zeigt zur Tür, nicht zur Wand, wo bleibt der Anstand? Und lasst euch den Mozart nicht verderben! Die unverzagte Lage der Ästhetik.
Es gab während meiner Kindheit einen Running-Gag in meiner Familie, der ging so: Nur Snobs sehen die Tagesschau im Dritten. Das hat mein Bild von den Dritten Programmen geprägt – positiv. Es klang nach einem hochnäsigen Programm mit Vorliebe fürs Semikolon; es klang verheißungsvoll, angenehm elitär. Was ich später, in meiner Jugend, im NDR beobachtete, war ein furchtloses Programm. N3 hieß der Sender damals und er stand in der Fernsehlandschaft wie eine 1 in der Nordseebrandung. Inzwischen steht der NDR mit dem Rücken zur Wand. Antje ist verzagt. Könnte mir, als freiem Flimmerbild-Lohndichter, egal sein, ist es aber nicht. Mit großen Augen habe ich die Doku über den New Yorker bei Netflix gesehen. Die Zeitschrift, prallvoll mit Geist, Kultur und Haltung, stand auch hin und wieder unter Druck von außen. Aber das Blatt verzagte nie, sondern streckte den Rücken.

Wenn es die Kultur heute in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schafft, schaue ich ängstlich hin. Zuletzt bei der Serie Mozart/Mozart im Ersten. ich war gewarnt. In der Süddeutschen schrieb Johanna Adorján: „Die ARD bringt das womöglich Schlechteste, was das deutsche Fernsehen jemals hervorgebracht hat, und zwar zur schönsten Vorweihnachts-Primetime als Serienhighlight.“

Damit ich nicht verzage, sehe ich immer mal eine Folge Kir Royal bei ONE. Damals war die öffentlich-rechtliche Welt noch in stabiler Unordnung.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks






