Das Scheitern der Hoffnung: an der Garderobe zur besseren Welt, an Naivität, nicht mal Jesus taugt als Retter. Aber fürchtet euch nicht! Verloren ist nur, wer meinen Newsletter nicht abonniert. Die Lage der Ästhetik.
Man sollte immer nach der Hoffnung greifen, wenn sie sich mal zeigt. Vor allem, wenn die Hoffnungsregale im Discounter der Zivilisation gerade leer stehen. In alten Tagen, die unseren gegenwärtigen ähneln, gebaren kreative Köpfe Utopien für eine bessere Welt. Das Wort Utopie hat seine Schönheit schnell eingebüßt; nein, es wurde denunziert von denen, die an der Garderobe der besseren Welt ihre Privilegien ablegen sollten. Sehr schön zu beobachten im Film Eden bei WOW.

Am Dienstag schimmerte Hoffnung durch eine Spiegel-Headline.

Leider konnte der junge Mann keinen greifbaren Grund für einen bevorstehenden Sieg über die Unvernunft formulieren. Felix Kummer und seine Band Kraftklub stehen zweifellos auf der richtigen Seite der Geschichte. Aber das Fundament seiner Zuversicht ist so tragfähig wie ein Baiser. Kummer ist 36 Jahre alt. In dem Alter hatte ich längst aufgehört, We Shall Overcome zu singen. Da ich ein Ungläubiger bin, fehlt mir das Gottvertrauen auf derart steile Thesen. Schon am Montag musste ich eine Enttäuschung einstecken. Per Mail hatte mich folgende Nachricht verzückt:

Nur ein Kunde vor mir, was macht das schon, nach 2000 Jahren Anreise. Der Mann, ohne Bart und Reife, lieferte Weißbier und Cola, ich lud ihn auf ein Glas Wasser ein und wir sprachen über Hoffnung. Das Hoffen ist doch nur ein gedankliches Flehen, sagte Jesus. Ja, sagte ich, das ist alles, was wir gerade haben.

Wenn all das Hoffen in die Hose geht, fragte Jesus, was machst du dann? Die Frage hat mich wirklich gewundert. Bruder, in Deiner Bio steht Glaube, Liebe, Hoffnung; glauben und hoffen ist Staub im Wind, was bleibt also? Ich gab ihm Zeit zum Nachdenken und leerte den Aschenbecher.

Ein Tiroler Gröstl schmeckt immer, aber im Winter ganz besonders. Ich habe geviertelten Rosenkohl und gehackten Kräuterseitling mitgeröstet, denn es gibt keine strenge Zutatenliste. Und Freiheit ist wie Hoffnung: Wenn sie sich zeigt, sollte man zugreifen.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks

Hinterlasse einen Kommentar