Marschieren wir ein in dieses Jahr mit der Quersumme zehn. Auf Zehenspitzen in den Wald pfeifend, unter Blitz und Donner. Gestärkt von weißen Bohnen. Und Fleisch mit Fleischbeilage.
Zum Jahreswechsel geraten meine Gedanken in Turbulenzen. Vergangenheit und Zukunft duellieren sich wie die Luftschichten eines Gewitters. Das scheint von Jahr zu Jahr schlimmer zu werden. Optimismus ist eine Frage des Willens, schreibt Axel Hacke im SZ-Magazin. Na dann wollen wir mal.
Es gab einst ein Musiker-Liebespaar, das sich Lightning & Thunder nannte. Mike und Claire Sardina wollten keine Weltstars werden. Sie sang wie Patsy Cline, er wie Neil Diamond. In Wisconsin brachten sie es zu bescheidener Berühmtheit, aber um Ruhm ging es nicht. Zwischen Bühne und Parkett gab es kein Gefälle. Menschen am Rand der Gesellschaft spielten für ihresgleichen. Und allen war für einen Augenblick klar, dass Licht und Glück erreichbar waren. Diese Kunst schwebt über den Genres. Mit Sweet Caroline das Grunge-Publikum von Pearl Jam zu euphorisieren, wer kann das? Mike und Claire Sardina konnten das.
Am Donnerstag startet der Film Song Sung Blue in den Kinos, die Geschichte von Lighting & Thunder mit Hugh Jackman und Kate Hudson. Ob Hollywood den Zauber dieses Liebespaars erkannt hat, werden wir sehen. Für Liebhaber der Echtheit gibt es die gleichnamige Doku von Greg Kohs aus dem Jahr 2008 bei YouTube. Der Film erzeugt eine Nähe, die hilft, das Phänomen zu verstehen – und manchmal kaum zu ertragen ist. Die beiden lebten in einem engen Haus, überfüllt mit Problemen. Aber der Geist der Hoffnung hatte stets Raum.

Hoffnung ist das Wort der Jahre 2020 bis 2026, das wissen wir eigentlich alle. Wenn dieses Wort verblasst, verschwindet auch die Farbe aus unserer Zukunft. Seien wir so trotzig-schlau wie Anna Sorokin. So kühn wie Denys Finch Hatton. Und so klug wie das Marsch-Mädchen.

Das braucht Kraft. Ein Cassoulet. Verkürzt: Ein Eintopf aus Bohnen, Fleisch und Wurst. Genauer: Eine sämige Brühe, gebunden mit dem Collagen der Schweinefüße und geschredderter Maske, verheiratet confierte Entenkeulen mit Würsten und Nackenfleisch. Ich hab es noch nicht gekocht; finde heute mal ein Publikum für diese Symphonie.
Neu im Blog: Der alte Blog.

Ich habe in meinen alten Texten gekramt und finde, manche haben es verdient, an dieser Stelle einen zweiten Auftritt zu bekommen.

Ich wünsche allen eine schöne Woche.*
Thomas Vöcks
*Das linksradikale Kochbuch erscheint jetzt sonntags, das passt besser in meinen Alltag, in dem ich meistens als Flimmerbildlohndichter für Geld arbeite.

Hinterlasse einen Kommentar