Kann Menschmaschine Schönheit erschaffen? Oder erstickt das Wesen im Regelkäfig? Und werden wir etwa taub und blind vor der Lüge? Kann sein. Die Lage der Ästhetik im Linksradikalen Kochbuch.
Vergangenen Sonntag habe ich keinen Newsletter zustande gebracht; mein ohnehin ermattetes Hirn war nach einer Geburtstagsfeier noch träger geworden, an einen Text war nicht zu denken. Dafür bitte ich um Entschuldigung.
Ich bin jetzt wieder ganz klar und weiß nicht, ob mir dieser Zustand gefällt. Ich bin schwer zu beleidigen, weil ich auf dem Altar der Wahrheit Immunität genieße. Aber wer mich veräppelt, beleidigt meinen Verstand.

Werbern bin ich nicht böse, wenn sie mich anflunkern, Reklame sollte unvereidigt bleiben. Doch unsere Verfassung ist kein Penny-Prospekt, das Bundeskabinett keine Drückerkolonne. Eigentlich. Und dieses eigentlich beleidigt mich wirklich. Lobbyisten auf der Regierungsbank – ein feuchter Kapitalistentraum ist wahr geworden. Um den Spirit dieser Menschen zu verstehen, reicht ein Schritt: von der Emission eines Gaskraftwerks zu der einer Zigarette.

Der Film ist 20 Jahre alt, aber er hilft, die Gegenwart zu verstehen. Ähnlich wie ein Film, der schon fast 40 Jahre alt ist und den Ungeist der MAGA-Bewegung erklärt:

„Was ist nur mit diesen Menschen los“, fragt ein FBI-Agent im Film. Eine Frage mit ewiger Gültigkeit. Ein Interview in der Süddeutschen könnte den Agenten auf eine heiße Spur bringen:

Hartmut Rosa würde vielleicht antworten: Die Menschen ersetzen ihr Handeln zunehmend durch Vollziehen; sie nehmen hin, dass die Spielräume für eigene moralische oder situationsbedingte Entscheidungen immer kleiner werden.
Viele Menschen genießen diese Entwicklung. Die Begeisterung für die KI ist ein gutes Beispiel. Im NDR, dem eigentlich besten Sender von allen, gilt KI als sexy und geheimnisvoll. „Wir wollen nicht den Anschluss verlieren“, lautet das Mantra. Folgender Dialog hat nie stattgefunden: „Wohin fährt der Zug, den wir nicht verpassen dürfen?“ – „Weiß nicht“, antwortet der Lemming.

Neulich hatte ich großes Glück: Mein Sohn hatte mich ins Restaurant Legler´s in Ottensen eingeladen. Seit drei Jahren kocht dort Max Legler modern französisch mit Verweisen auf europäische (und norddeutsche) Tradition. Den Service schmeißt Jörg mit Charme und Humor, so dass in gänzlich unverkrampfter Atmosphäre wunderbare Vater-Sohn-Gespräche möglich sind.

Ich wünsche allen eine schöne Woche.
Thomas Vöcks

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