So schön kann man Kapitalismus inszenieren. Da gurgeln erst Billionen in den Gullis der Börsen, dann eine Springflut, die Launen des Zockers im Weißen Haus machen echt Laune, jedenfalls jenen, die vor dem zweiten Akt investiert hatten. Wer das wohl war… Wer im ersten Akt bereits seine Altersversorgung verschwinden sah, gehörte wahrscheinlich nicht dazu. Es gibt übrigens auch sympathische Darstellungen von Großkotzerei: Der Sechsteiler The Playlist, speziell Folge 5.
Axel Hacke, der wunderbare Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, hat gelobt, den Namen des Golftrottels nie mehr zu schreiben. Sowas imponiert mir, ich mache das einfach nach und vermeide das T-Wort. Palim, palim, das ist neuer Stoff für Hallervorden, das werde ich ja wohl noch sagen dürfen.
Es war überhaupt eine schöne Woche für Nicht-Superreiche. Das Staffelfinale von White Lotus führte vor Augen, wie trostlos es sein kann, wenn die Kreditkarte nur ein emotionales Vakuum deckelt. Da schlendere ich dann lächelnd durch Aldi und weiß mich in bester Gesellschaft. Kaufe ein Maishuhn und schiebe obszöne Mengen Kräuterbutter unter die Haut, beim Kochen bin ich maßlos wie der amerikanische Zöllner. Dessen Zwang, sein Handeln stets der Gewalt zu widmen, lässt uns ratlos zurück. Woher kommt das? White Lotus weiß auch hier Rat: Die Quelle von Gewalt sei immer Angst. Ich glaube, da geht es um die Angst vor Erkenntnis. Je größer die Kluft zwischen Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit ist, desto größer die Furcht. Das könnte den Zampano erklären.
Dann war da noch Roland Kaiser, der Experte für ganzheitliche Entspannung. Bei Maischberger zeigte er Politikern, was keine Harke ist: Engstirnigkeit. Der Sozialdemokrat wünscht Merz eine erfolgreiche Kanzlerschaft, der sei ein netter Mensch. Ich bin ein Freund des Schlagers, Roland Kaiser gehört nicht zu meinen Favoriten, aber ich glaube, er ist ein sehr netter Mensch.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks
PS: Der wildgewordene Zöllner kennt keine Freundschaften, nur Deals. Von Deals verstehe ich nichts. Aber ich habe seit Jahrzehnten einen besten Freund, der heute Geburtstag feiert. Ich hab keine Millionen, aber der Idiot ist arm.

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