Freitag, 11. April

So schön kann man Kapitalismus inszenieren. Da gurgeln erst Billionen in den Gullis der Börsen, dann eine Springflut, die Launen des Zockers im Weißen Haus machen echt Laune, jedenfalls jenen, die vor dem zweiten Akt investiert hatten. Wer das wohl war… Wer im ersten Akt bereits seine Altersversorgung verschwinden sah, gehörte wahrscheinlich nicht dazu. Es gibt übrigens auch sympathische Darstellungen von Großkotzerei: Der Sechsteiler The Playlist, speziell Folge 5.

Axel Hacke, der wunderbare Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, hat gelobt, den Namen des Golftrottels nie mehr zu schreiben. Sowas imponiert mir, ich mache das einfach nach und vermeide das T-Wort. Palim, palim, das ist neuer Stoff für Hallervorden, das werde ich ja wohl noch sagen dürfen.

Es war überhaupt eine schöne Woche für Nicht-Superreiche. Das Staffelfinale von White Lotus führte vor Augen, wie trostlos es sein kann, wenn die Kreditkarte nur ein emotionales Vakuum deckelt. Da schlendere ich dann lächelnd durch Aldi und weiß mich in bester Gesellschaft. Kaufe ein Maishuhn und schiebe obszöne Mengen Kräuterbutter unter die Haut, beim Kochen bin ich maßlos wie der amerikanische Zöllner. Dessen Zwang, sein Handeln stets der Gewalt zu widmen, lässt uns ratlos zurück. Woher kommt das? White Lotus weiß auch hier Rat: Die Quelle von Gewalt sei immer Angst. Ich glaube, da geht es um die Angst vor Erkenntnis. Je größer die Kluft zwischen Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit ist, desto größer die Furcht. Das könnte den Zampano erklären.

Dann war da noch Roland Kaiser, der Experte für ganzheitliche Entspannung. Bei Maischberger zeigte er Politikern, was keine Harke ist: Engstirnigkeit. Der Sozialdemokrat wünscht Merz eine erfolgreiche Kanzlerschaft, der sei ein netter Mensch. Ich bin ein Freund des Schlagers, Roland Kaiser gehört nicht zu meinen Favoriten, aber ich glaube, er ist ein sehr netter Mensch.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

Thomas Vöcks

PS: Der wildgewordene Zöllner kennt keine Freundschaften, nur Deals. Von Deals verstehe ich nichts. Aber ich habe seit Jahrzehnten einen besten Freund, der heute Geburtstag feiert. Ich hab keine Millionen, aber der Idiot ist arm.


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  1. Avatar von hamburgwawa
    hamburgwawa

    Lieber bester Freund,

    Dein Blog begeistert mich. Er scheint mir von dem Blog von Nils Minkmar inspiriert und zu einem zu diesem raffinierten* Format erlangt. Du hast die Fähigkeit, in wenigen, aber wohl gewählten Worten alle Sphären der menschlichen Wahrnehmung zu erreichen. Das ist großartig!

    Herrlich, Dein Resümee der Woche mit Streaming- und Kochtipps zu garnieren. Genial! Es macht mich stolz, Dich als meinen besten Freund zu wissen.

    Ich hatte gestern die erste Folge von White Lotus begonnen zu streamen, habe aber dann abgebrochen. Es war, als die hübsche Tochter (geiler Arsch) sich mit ihrer fast nackten Freundin (eigentlich meine MILF) und der Mutter sich darauf geeinigt haben, dass der Bruder in der Küche schläft. Ich fühle mich nicht mehr in der Stimmung, mich von langatmige Intros von Problemen der Reichen packen zu lassen. Sicherlich ist White Lotus eine sehr gute und sehr bissige Satire der Upperclass, aber das wissen wir doch alles schon seit Langem**. Lohnt es sich, diese langwierige Hochglanz-Ironie über Stunden zu bingen, während die Welt dabei ist, im Stundentakt zugrunde zu gehen?

    Ich hatte einige Tage zuvor Das zweite Attentat gebingt. Insgesamt 9 Stunden meines Lebens für ein sehr brisantes Thema, das im Hollywood-Action-Thriller-Format diese Brisanz vernichtet hat. OK, das ARD kann Hollywood, aber wozu? Sind diese Menschen wirklich alle gestorben, um die Rolle des BND‘ in diesem Bush-Komplott zu verheimlichen? Und wenn ja, und nun?

    Freitag, 11. April war ich, in Vertretung meines Geschäftspartners im Urlaub, auf der Baustelle Gebauer Höfe und sprach mit dem Polier der Rohbaufirma. Ein ganz feiner Kerl.

    „Weißt Du, ich bin heute 64 Jahre alt geworden und weiß, dass ich nach über 40 Jahren*** Erfahrungen als Architekt im Bau nichts mehr weiß. Weil nichts mehr geht. Alle behördlichen Auflagen widerlegen sich gegenseitig selbst. Es ist ein Kolbenfresser. Das Schmieröl fließt nicht in den Motor und in das Getriebe. Es wird woanders geschmiert.“

    Freitag, 11. April. Was für ein Tag. Du hast ihn mir gewidmet. Einen besseren Geburtstaggruß gibt es nicht.

    Danke mein bester Freund.

    Dein Wawa

    *) Semantisch im eigentlichen Sinne gemeint: verfeinert

    **) Was man seit Langem weiß, ist doch langweilig.

    ***) Studiumzeit einschl. Jobs in der Branche eingeschlossen.

    Michael Wawoczny

    Architekt Dipl.-Ing.

    Bundesallee 21

    10717 Berlin

    Tel.: +49 30 857 32 58 0

    Fax: +49 30 857 32 58 1

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