Wer ohne Vorurteile ist, werfe den ersten Stein! So las ich den Gastbeitrag von Wolfram Weimer in der Süddeutschen zur Kunstfreiheit in Erwartung meiner Empörung.

„Linke wie Rechte wollen die Kunst politisieren“, hebt der Kulturstaatsminister gleich im Vorspann an, ich stöhne, wie immer, wenn das Bürgerliche Lager Humanisten mit Herrenmenschen gleichsetzt. Es ist eben ein Unterschied, ob das Handeln eine bessere Gesellschaft anstrebt, oder auf Tyrannei zielt. Gleichwohl ist jede Gängelung der Kunst durch die Politik abzulehnen. Da hat Weimer recht, und wenn es ihm also um die Freiheit der Kunst geht, sollte er dringend mal mit seinen Unionsfreunden in Sachsen-Anhalt reden. Die drehen gerade einem linken Kulturprojekt den Hahn ab. Gemeinsam mit der AfD.
Grundsätzlich freue ich mich über Kunst mit politischer Stoßrichtung; genauso grundsätzlich stimme ich Wolfram Weimer zu: Wer der Kunst die Mehrdeutigkeit nimmt, „macht sie flügellahm und hat die Kunstfreiheit nicht begriffen“.

Die ukrainische Autorin Marjana Gaponenko schrieb nach der Operation Spinnennetz in dieser Woche ein Gedicht mit diesen Zeilen:
Goliath legt Feuer. David löscht mit Gegenfeuer.
Goliath schießt David nieder. David steht längst hinter Goliath.
Der komplette Text: https://www.facebook.com/gapo.nenko.3
Ich verstehe, dass eine ukrainische Seele sowas schreibt, im stolzen Affekt. Aber es behagt mir nicht. Wenn die Lyrik in den Krieg zieht, verlässt sie den einzigen Ort, an dem Utopien eine selbstverständliche Existenz leben: die Kunst. Dort darf natürlich David den Goliath besiegen. Aber dort darf auch eine Welt ohne Kriege entstehen. Und ohne Grenzen. Eine Welt, in der zum Beispiel keiner versteht, was der Begriff Zwei-Staaten-Lösung bedeuten soll.
Der Plakatkünstler John Heartfield (1891-1968) hat sein Werk als Schwert gegen die Nazis geschmiedet. Er war Kommunist, also mit Utopien vertraut. Aber Deutschland musste ja erst mal der Teufel ausgetrieben werden. Vielleicht sollte ich, der weder Krieg noch andere Barbarei erleben musste, einfach mal meine neunmalkluge Klappe halten. Jetzt in der ARD Mediathek: Der Doku-Animationsfilm Johnny & Me von Katrin Rothe.
Zurück zur Wirklichkeit, die sich so unwirklich anfühlt und selbst im Banalsten verbogen ist. Über Jahrzehnte war Miracoli meine kulinarische Lieblingssünde: Tomatenmark,Wasser, Gewürzmischung, irgendein geriebener Hartkäse. Jede Gabel reines Glück. Seit Jahren vorbei, Parmesello gestrichen, Würze verändert. Jetzt habe ich bei EDEKA Ersatz gefunden (unbezahlte Werbung):

Es gibt also immer Hoffnung.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks

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