Ein Herbst ohne Kürbis ist möglich; ein Leben ohne Gitarre nicht. Tristesse im Sauerland: Wer Milde Sorte raucht, trinkt auch Schnaps und Clausthaler. Echte Rebellen sind Working Class Heroes oder baden in Öl. Die Lage der Ästhetik.
Dieses Werk sollte mich teuer zu stehen kommen. 1975 erschien das Gitarrenbuch von Peter Bursch.

Es versprach, das jeder schnell ein paar Lieder lernen kann. Noten musste man nicht lesen können. Also hockten wir uns drüber mit unseren ersten Klampfen, Daniel, Dirk, Uli und ich, spielten Get Back, Donna Donna und We Shall Overcome. Spielerisch habe ich mich seitdem nicht nennenswert entwickelt; bis heute spiele ich die Simpel-Version von G-Dur. Inzwischen fordern mich zehn Gitarren auf, mal wieder Staub zu wischen.
Das Gitarrenbuch ist bis heute, 50 Jahre nach der Erstausgabe, ein Bestseller. Weltweit verführte es Millionen Menschen, Saiten zu zupfen, schrubben, liebkosen. Deshalb gebührt Peter Bursch der Friedensnobelpreis (der heute zum Glück unbeschädigt blieb). Denn wer je eine Gitarre umarmt hat, wird nie zum Gewehr greifen. Glaube ich.
Allerdings kann die Gitarre auch eine Waffe sein – gegen den Krieg. Richie Havens hat 1969 auf der Woodstock-Bühne gezeigt, wie das geht. Der Song Freedom war improvisiert, weil er sein Repertoire nach 45 Minuten leergespielt hatte.
Sechs Saiten und ein Text, der Wahrheit erzählt. So können Herzen gewonnen werden. Aber der Weg dorthin führt Künstler oft durchs tiefe Tal.
Friedrich Merz hat als Jugendlicher E-Gitarre gespielt und Milde Sorte geraucht, rebellierte also vorsichtig, emissionsarm und irgendwie anders: gegen die 68er und Willy Brandt. So erzählt er es jedenfalls in einem Interview aus dem Jahr 2000. Könnte aber Spuren von Unwahrheit enthalten. Ein Vollblut-Rebell wäre diese Woche 85 geworden. In einer Welt ohne Waffen würde John Lennon vielleicht noch leben.


Begabte Pop-Poeten gibt natürlich heute noch. Einen von ihnen, Nepumuk, hörte ich gestern zum ersten Mal. Das hatte ich dem wohl besten Musiksender im Radio zu verdanken: Byte.FM. Das idealistische Personal dieses werbefreien Kanals besteht offenbar aus Trüffelschweinen für Qualitätspop der Gegenwart. Aber auf der Homepage halten sie auch eine Hommage zum 85. Geburtstag von John Lennon bereit. Und der Autor heißt, wirklich, Volker Rebell.

Der Herbst hat gute Seiten, grün-gelb-rot-bunte Blätter. Kürbisse sind aber ein Irrtum der Natur, jedenfalls kulinarisch. Mögen sich andere ihre geschmacksblassen Süppchen kochen; ich brate heute Reis.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Thomas Vöcks





















