Das linksradikale Kochbuch

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  • Über mich

  • Sonnabend (ausnahmsweise), 28. Juni

    Ein Satz hat mich diese Woche aus dem hitzebedingten Dämmerzustand gerissen: „Die KI ist dumm.“ Der Fotokünstler Wolfgang Tillmans gab diese Provokation in der Zeit zu Protokoll. Das ist endlich mal schönes Querdenken, geradezu bunkerbrechend. Es gehe der KI nur um Durchschnittswerte und Wahrscheinlichkeiten. Aber es gebe kein Zurück mehr, weil bereits hunderte Milliarden in die Entwicklung investiert wurden. Tillmans: „Die Welt und ihr soziales Gefüge können es gerade eigentlich nicht vertragen, dass noch mal Millionen Jobs abgebaut werden, um sie durch KI-Bots ersetzen zu lassen.“ Das leuchtet ein und erzeugt ein unangenehmes Gefühl, aber die Welt und ihr soziales Gefüge folgen einem erprobten Selbstschutzprogramm: dem fröhlichen Fatalismus. Das Biest kommt ja sowieso, wo können wir es toll benutzen und wie können wir es beherrschen. Ich frage mich, wer da wen beherrscht. Ich glaube, wir putzen der KI die Stiefel.

    Aber die Gewöhnung mildert diesen wie jeden Schrecken, auch den Verlust der Höflichkeit. Mein jährlicher Urlaub in den italienischen Marken ist – neben meinem Abenteuer als höchstens gehobener Dilettant am Herd – ein Trainingslager für achtsamen Umgang. Wir sind sieben sehr unterschiedliche Menschen, und das Ziel unserer abendlichen Diskussionen über, nicht Gott, aber die Welt, ist, die eigene Sicherheit auf den Prüfstand der Anderen zu stellen. Im Idealfall verlassen wir die Tafel reicher, als beim Hinsetzen. Klappt nicht immer. Aber die Aggressivität der „Sozialen Medien“ (denen wir uns fröhlich fatalistisch ergeben) hat an unserer Tafel immerhin keinen Platz.

    Ich höre wenig Musik während dieser Italienreisen, die Supermarktbeschallung hat mich aber ermuntert, mal wieder Robbie Williams zu lauschen. Könnte ich Zutaten zu meiner Biografie kaufen, ich würde für sein Talent jeden Kredit aufnehmen. Eine Zeile hätte immerhin auch ohne diese Investition von mir stammen können: I’m doing everything I can / To be a better man.

    Hier ein Ausschnitt aus seinem großartigen Konzertfilm Live at Knebworth:

    Und eines Tages sehe ich mir seinen Spielfilm an.

    Meine kulinarischen Highlights dieser Woche waren Spaghetti Vongole mit San-Marzano-Tomaten (es gibt sie wirklich!)…

    Hähnchen aus dem Steinofen (der steht hier wirklich auf dem Grundstück)…

    und eine Aprikosen-Tarte. An dieser Stelle danke ich Agar Agar und Xanthan für die freundliche Unterstützung.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Juni 28, 2025

  • Freitag, 20. Juni

    Super-8-Filme können beglücken. Welche Geschichten sie erzählen, ist beinahe egal; das Glück sprießt aus dem Erleben eines Bewegtbildes, das die Wirklichkeit sucht und dieser Vergeblichkeit trotzt. Diese Leistung verleiht dem Super-8-Film mehr Würde, als die Kollegen HD und 5K ahnen. Und weil mir Würde gerade so selten begegnet wie gute Nachrichten, habe ich es diese Woche genossen, alte Flimmerfilme aus meiner Jugend wiederzusehen. Mein bis heute bester Freund und ich waren seit den 1970er Jahren erst Hörspielproduzenten (im Kinderzimmer) und dann Filmemacher (im Homeoffice). Unser Film Kam der Mensch entstand in meiner ersten eigenen Wohnung und wurde von der Jury beim Filmfest Werl leider völlig verkannt.

    Alle Menschen werden Brüder (not)

    Dieser Film entstand 1982, Waldsterben, Ölkrise, Kalter Krieg, der junge Mann sorgte sich offenbar. Was ich so schön finde an dieser Begegnung mit meiner alten Angst: Sie fühlt sich heute milder an, als damals. Ich versuche nicht, etwas daraus zu lernen. Es ist wie in jenen Tagen: Ich warte auf den nächsten Tag. Der Unterschied zu damals: Der Traum von einer friedlichen Weltgesellschaft ist verblasst wie ein alter Super-8-Film.

    Die Träume der – im weitesten Sinne – Hippie-Ära werden inzwischen natürlich als naiv denunziert. So funktioniert seit Jahrzehnten die Strategie der Konservativen, die sich zunehmend zu faschistischen Zirkeln destillieren. Ein emotionaler Ausflug in die Zeit, in der nicht alles gut war, aber alles möglich schien, lohnt sich allemal: Daisy Jones & The Six:

    Seit Amazon Filme mit Werbung aufhübscht, begegnen mir überraschend gute Spots. Haribos Kindersprech-Plot ist ein großartiger Einfall.

    Ähnlich reduziert: Die Google-Pixel-Kampagne zur Frauenfußball-EM in der Schweiz. Virtuos! Aber warum geht es da um Italien?

    Überwachungskameras greifen an wie Hitchcocks Vögel, Safari schießt sie alle ab. Der Browser beschirmt deine geheimen Exkursionen im Netz. Ein großes Versprechen, perfekt erzählt.

    Ich bin auf dem Weg nach Italien. Kochen bis die Töpfe glühen, Olivenbäume spenden der Seele Halbschatten. Gitarre und ich und viele Freunde.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Juni 20, 2025

  • Freitag, 13. Juni

    Ich glaube, er war ein glücklicher Mensch. Günther Uecker lernte als DDR-Bürger, Wie der Stahl gehärtet wurde.

    Und dann zeigte er der Welt, wie federleicht Stahl sein kann. Eiserne Pusteblumen, zärtliche Dornen im Wind – kurz nach dem Weltkrieg trafen diese Allegorien ins Mark: als die Menschen gelernt hatten, dass Stahlhelme keine schönen Hüte sind. Aber Günther Uecker war viel mehr als der Nagelmann:

    Die Düsseldorfer Gruppe ZERO, der Uecker angehörte, verkündete in der Stunde Null eine künstlerische Atempause; heute würde man vielleicht von einem schöpferischen Reboot sprechen. Eine Phase zwischen Katastrophe und Neuanfang.

    Alle Systeme abschalten und und wieder hochfahren – das löst im digitalen Alltag manches Problem, vielleicht sollten wir unseren Globus mal rebooten. Oder zumindest die weltweite Finanzindustrie. Triggerwarnung: Die 90-Minuten-Doku macht nicht fröhlich.

    https://www.arte.tv/de/videos/101918-000-A/moneyland/

    Nichts hebt die Laune besser, als ein Teller Carbonara – wenn sie denn gelingt. Der römische Koch Luciano Monosilio erklärt, wie er Eier, Schweinebacke, Käse und Nudeln zu einem Antidepressivum rührt.

    Ich wünsche alles ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Juni 13, 2025

  • Freitag, 6. Juni

    Wer ohne Vorurteile ist, werfe den ersten Stein! So las ich den Gastbeitrag von Wolfram Weimer in der Süddeutschen zur Kunstfreiheit in Erwartung meiner Empörung.

    https://www.sueddeutsche.de/kultur/kunstfreiheit-wolfram-weimer-kulturstaatsminister-lux.LiwiHQvhf2SvU8h4waXNth

    „Linke wie Rechte wollen die Kunst politisieren“, hebt der Kulturstaatsminister gleich im Vorspann an, ich stöhne, wie immer, wenn das Bürgerliche Lager Humanisten mit Herrenmenschen gleichsetzt. Es ist eben ein Unterschied, ob das Handeln eine bessere Gesellschaft anstrebt, oder auf Tyrannei zielt. Gleichwohl ist jede Gängelung der Kunst durch die Politik abzulehnen. Da hat Weimer recht, und wenn es ihm also um die Freiheit der Kunst geht, sollte er dringend mal mit seinen Unionsfreunden in Sachsen-Anhalt reden. Die drehen gerade einem linken Kulturprojekt den Hahn ab. Gemeinsam mit der AfD.

    Grundsätzlich freue ich mich über Kunst mit politischer Stoßrichtung; genauso grundsätzlich stimme ich Wolfram Weimer zu: Wer der Kunst die Mehrdeutigkeit nimmt, „macht sie flügellahm und hat die Kunstfreiheit nicht begriffen“.

    Die ukrainische Autorin Marjana Gaponenko schrieb nach der Operation Spinnennetz in dieser Woche ein Gedicht mit diesen Zeilen:

    Goliath legt Feuer. David löscht mit Gegenfeuer.

    Goliath schießt David nieder. David steht längst hinter Goliath.

    Der komplette Text: https://www.facebook.com/gapo.nenko.3

    Ich verstehe, dass eine ukrainische Seele sowas schreibt, im stolzen Affekt. Aber es behagt mir nicht. Wenn die Lyrik in den Krieg zieht, verlässt sie den einzigen Ort, an dem Utopien eine selbstverständliche Existenz leben: die Kunst. Dort darf natürlich David den Goliath besiegen. Aber dort darf auch eine Welt ohne Kriege entstehen. Und ohne Grenzen. Eine Welt, in der zum Beispiel keiner versteht, was der Begriff Zwei-Staaten-Lösung bedeuten soll.

    Der Plakatkünstler John Heartfield (1891-1968) hat sein Werk als Schwert gegen die Nazis geschmiedet. Er war Kommunist, also mit Utopien vertraut. Aber Deutschland musste ja erst mal der Teufel ausgetrieben werden. Vielleicht sollte ich, der weder Krieg noch andere Barbarei erleben musste, einfach mal meine neunmalkluge Klappe halten. Jetzt in der ARD Mediathek: Der Doku-Animationsfilm Johnny & Me von Katrin Rothe.

    Zurück zur Wirklichkeit, die sich so unwirklich anfühlt und selbst im Banalsten verbogen ist. Über Jahrzehnte war Miracoli meine kulinarische Lieblingssünde: Tomatenmark,Wasser, Gewürzmischung, irgendein geriebener Hartkäse. Jede Gabel reines Glück. Seit Jahren vorbei, Parmesello gestrichen, Würze verändert. Jetzt habe ich bei EDEKA Ersatz gefunden (unbezahlte Werbung):

    Es gibt also immer Hoffnung.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Juni 6, 2025

  • Freitag, 30. Mai

    Am 30. Mai ist alles vorbei, hat Udo Lindenberg mal gesungen. Jedenfalls nicht in diesem Jahr, hoffe ich mal. Aber mein Lieblingsjahr wird 2025 sicher nicht. Das Lesen der Nachrichten scheint mir schädlich, als würde es einen Tumor namens Trübsinn nähren. Regelmäßig besteige ich eine musikalische Zeitmaschine. Neue Musik, die mich in eine Costa-Brava-Disco der 80er beamt – in eine Zeit also, in der meine Knochen noch elastisch und Sorgen Sörgchen waren. Tanzt gern mit:

    Tweed-Jacket, Bundfalte und ein wiedergeborener George Harrison, ich genieße den Blick in meinen biografischen Rückspiegel. Und doch würde ich gern eine schöne Zukunft erwarten. Ein kreatives Deutschland mit intelligenten Antworten. Statt dessen: Arbeitet härter, werdet kriegstüchtig. Und Work-Life-Balance ist neuerdings ein verlachtes Konzept. Deutschland ist Persil: Da weiß man, was man hat. Arbeit ist seit der Leistung von Trümmerfrauen die Antwort auf alles. Deutschland trägt Scheuklappen und hat Bohnen in den Ohren. Volkswagen kriselt, weil der Laden Quatschautos baut, statt elektrische Volkswagen. Wärme spüren wir nur im Angesicht von Verbrennung. Windkraft verspargelt die Landschaft und Wolken sind Solarfinsternis. Es herrscht geistige Windstille in Berlin. Und wer mal gute Ideen hat, ist zu blöd, sie den Menschen zu erklären. Danke, Habeck!

    Ich glaube, Spongebob wird sich das nicht mehr lange gefallen lassen. Und ich marschiere mit ihm. Zur Sonne, zur Freiheit.

    Ich habe nicht viel für’s Ballett übrig. Ich unterstelle den Sparkassenabteilungsleitern in der CDU-Spitze mal, dass es ihnen ähnlich geht. Sie sollten dennoch das Lenbachhaus in München besuchen, wo gerade das Werk Collective Action des Choreografen Richard Siegal mit einer Video-Installation gefeiert wird. Laut Monopol behandelt Siegal „Fragen nach Individuum und Kollektiv, Disziplin und Freiheit und Kunst und Sport“. Die Kunst stellt eben gerade dann die richtigen Fragen, wenn alles falsch läuft.

    https://www.monopol-magazin.de/wohin-am-langen-wochenende-1

    Auch dem Hamburg Ballett empfehle ich einen Betriebsausflug ins Lenbachhaus. Zärtlich formuliert knirscht es zwischen dem neuen Intendanten Demis Volpi und vielen Tänzern der Compagnie. Peter Laudenbach analysiert die Krise in der Süddeutschen und schreibt diesen wunderbaren Satz: „Vorgesetzte sind von ihren Untergebenen mindestens so abhängig wie diese von ihnen.“ Den Artikel sollte der CDU-Herrenclub auf der Bahnfahrt Berlin-München unbedingt lesen (gibt’s umsonst!) – mit Blick auf uns, das Wahlvolk, also die Chefs.

    https://www.sueddeutsche.de/kultur/hamburg-ballett-volpi-druck-solistenkuendigungen-li.3259287

    Das war jetzt alles etwas grimmig, tut mir leid. Aber manchmal weht ein rauer Wind.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Mai 30, 2025

  • Freitag, 23. Mai

    Ist es großartig? Oder böse? Der Name des aufblasbaren Gummisofas, gestaltet von Reidar Mester und David Kaltenbach, klingt kriegerisch: Special Ops. Ist es also ein Landungsboot für bewaffnete Spezialeinheiten, oder doch ein cool-warmes Sitzobjekt? Oder fasziniert das Sofa gerade wegen seines Ritts auf der Klinge zwischen Schönheit und Abgrund? Ich möchte es jedenfalls haben; es verweist zuverlässig jede Langweile des Raumes.

    Der Zwiespalt wie im Fall des Sofas ist schön, wenn man ihm entspannt begegnet. Das Erörtern ist ungemütlich, spendiert aber Erhabenheit. Die modernste Frage in dieser Kategorie lautet: Führt Künstliche Intelligenz ins Heil oder in den Untergang? Hektisch übern Ecktisch beurteilt, führt die Frage zu einem dystopischen Spielfilm:

    Ich unterstelle Wes Anderson, dass er dieses Drehbuch lächelnd abgelehnt hätte. Der Süddeutschen erzählte er, er habe keine Angst vor der KI, noch nie habe er über einen KI-generierten Witz lachen müssen. Wer – wie ich – sein kindliches Gemüt nie ziehen liess, fühlt sich in diesem Argument so pudelwohl wie in Andersons Filmen. Dann schiebt er erwachsenhaft nach: Man müsse die Gefahr der Desinformation in den Griff kriegen. Und schon sitzen wir wieder auf der Klinge.

    Als ich dieses Bild sah, bekam ich spontan und analog Heißhunger. Allerdings ist der Mai kein guter Monat für Miesmuscheln: Es ist Laichzeit, darunter leidet die Qualität. Also verschiebe ich diesen Genuss in den Oktober…

    https://www.effilee.de/rezept/muscheln-und-krebse-im-dillsud-mit-pikanter-mayonnaise-a-41fec83f-0005-0011-0000-000000001947

    …und sehe mich nach Vongole um, die haben das ganze Jahr Saison.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Mai 23, 2025

  • Freitag, 16. Mai

    Bienen lassen sich auf eine Beziehung zu Menschen ein, ohne ihre Freiheit aufzugeben, sagt Walter Röhrl, der Rennfahrer, im Film Race for Glory – Audi vs. Lancia. Nun ist Walter Röhrl in Wirklichkeit kein Hobby-Imker. Und den Film über ihn findet er doof. Aber der Satz ist ja schön, er beschreibt den Ausweg aus dem Dilemma der Liebe: Wie überlebt das Ich im Wir?

    Audi gegen Lancia – das ist gleichzeitig ein kulturelles Armdrücken: Kraft gegen Stil. Technisch war das deutsche Auto damals überlegen:

    Schöner war zweifellos der Lancia. Italien ist das Land der Eleganz in allen Facetten. Flaniere ich durch italienische Städte, bereite ich mich gut vor. Ich trage sehr teure Schuhe. Hemd, Hose, Haare, ganz gut, denke ich vorm Spiegel. Aber wenn ich auf der Straße die italienischen Männer beobachte, fühle ich mich doch wieder als Audi unter lauter Lancias.

    http://siasoulfood.blogspot.com/2014/08/tomatenfrikadellen-ntomatokeftedes.html

    Der ESC, herrje; wieder ein Abend, über den ich mich ärgern werde. Damit die Bilanz nicht ganz so düster ausfällt, brate ich griechische Tomaten-Frikadellen: Minitomaten vierteln, mit Petersilie, Minze, Oregano und Frühlingszwiebeln verkneten. Salzen, pfeffern, mit Mehl zu Klopsteig rühren und löffelweise in tiefem Olivenöl backen. Dazu eine Sauce aus roter Paprika, gelben Linsen und Sahne. Und nie den Spritzer Zitrone vergessen.

    Ich wünsche alles ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Mai 16, 2025

  • Freitag, 9. Mai

    Wer seine Speisen mit Safran und Rosenwasser würzt, beweist sein großes Herz. Und seinen Sinn für aromatische Schönheit. Solche Menschen findet man im Iran. Der Anbau von Safran-Krokussen hat vielen iranischen Familien einen (sehr) bescheidenen Wohlstand beschert. Und wenn sie ein besonderes Mahl bereiten, teilen sie es mit den Nachbarn. Wir können viel lernen von den Iranern. Allerdings nicht von den Mullahs, die foltern und töten. Dass wir Deutschen das beherrschen, haben wir bereits vor acht Jahrzehnten bewiesen.

    Safran ist das teuerste Gewürz der Welt. Aber die Ernte ist mühsam und karg. Eine Reportage über Safran-Bauern im Iran gibt es bei Arte:

    https://www.arte.tv/de/videos/076591-013-A/zu-tisch/

    Und iranische Rezepte findet man bei der Youtuberin Butterbrötchen:

    Ich finde, Völkerfreundschaft ist ein wundervolles Wort. In meinem Verständnis bezeichnet es die Verbundenheit der Menschen verschiedener Staaten unter dem Radar und ohne Bewertung der Regierungen. Und wenn wir den Hasspredigern der Bildzeitung keine Aufmerksamkeit mehr schenken, können Deutsche Afghanen, Iraner und Palästinenser lieben.

    Natürlich belaste ich mich morgens trotzdem mit den Nachrichten in verschiedensten Medien. Und wenn es zu schlimm wird, tanze ich den Schmerz weg. In Gedanken. Das geht.

    Die Musiker von Parcels sehen aus, hätten sie 1981 zusammen mit mir Abitur gemacht. Aber da waren die wohl noch nicht geboren. Nächste Woche treffe ich eine kleine Truppe aus meinem Abi-Jahrgang. Wir werden wohl gegenseitig die Ergebnisse unserer Altersprozesse bestaunen – und so albern wie damals sein.

    Von gut gealterten Freundschaften handelt die Serie The Four Seasons bei Netflix.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Mai 8, 2025

  • Freitag, 2. Mai

    Kinder an die Macht. Ich fand diesen Refrain schon damals sympathisch, hielt die Forderung aber für einen humoristischen Denkanstoß für Erwachsene. Schließlich lässt das Demokratieverständnis Fünfjähriger nach meiner Erfahrung zu Wünschen übrig.

    Und dann las ich am Dienstag im Spiegel ein Interview mit der Autorin und Erziehungsberaterin Eloise Rickman. Sie fordert, das Mindestwahlalter abzuschaffen. Rickman, sinngemäß: Dreijährige sollten wählen dürfen, 100jährige mit Demenz dürfen’s ja auch. Außerdem hätten ganz junge Menschen durchaus ein Gefühl für Gerechtigkeit, Fairness, Freundschaft. Zurzeit machen alte Menschen Politik für alte Menschen. Denn der moderne Politiker strebt nicht einer gerechten Gesellschaft entgegen, er rennt dem Wählerwillen hinterher – und der wird von Alten geprägt. Schön, wenn sich das ändert. Und ich freue mich auf die Bild-Schlagzeile Wähler in Windeln – Der Pups-Hammer!

    Leider hinter Bezahlschranke: https://www.spiegel.de/panorama/wahlrecht-fuer-fuenfjaehrige-interview-mit-der-erziehungsberaterin-eloise-rickman-a-43d97418-6659-4eb2-9ae8-b9b8741ecbeb

    Momentan werfen Politiker der jungen Generation ja mit Vorliebe Schlaffheit vor und fordern mehr Bock auf Arbeit. Denen, aber eigentlich allen, sei ein Kommentar in der Süddeutschen ans Herz gelegt. Die Kernaussage: Die Politik hat das Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft gebrochen. Warum also Überstunden dreschen? Für’s Eigenheim wird es nie reichen. Aber vielleicht wird sich das ändern, wenn Fünfjährige wählen dürfen.

    Gratis: https://www.sueddeutsche.de/meinung/1-mai-arbeit-rente-wohnungsbau-kommentar-li.3242357

    Tutzing am Starnberger See.

    Im schönen Fleisch-, Wurst- und Sülzeland Bayern, wo ich mich gerade sonne, bereite ich morgen einen Spargelsalat zu – mit Radieschen, Ei, Schalotte, Schnittlauch und einem Dressing aus Essig, Honig, Öl, Anchovis und Senf. Da wird das Fleisch zur Beilage: Roastbeef. Aber nicht ganz so aufwändig wie das 50-Hour Prime Rib von Alvin Zhou.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Mai 2, 2025

  • Freitag, 25. April

    Beschreite den Weg des Künstlers, riet mir vor langer Zeit eine kluge Frau. Die Wegbeschreibung missfiel mir damals, aber der Appell nistet seitdem in meinem Denken. Mich interessiert nur Kunst mit einem Gegenwartsbezug, aber es muss nicht meine Gegenwart sein. Eine Sekunde Wirklichkeit ist immer ein Wimmelbild. Der Künstler muss das Labyrinth entschlüsseln und fokussieren. Und dann die Brennweite ändern. In der Unschärfe verliert das Gift seine Dominanz. Es geht nicht um Schönmalerei, sondern um die Souveränität des Beobachters. Mit leicht zusammengekniffenen Augen sieht man mehr. William Turner wusste das. Er wurde vor 250 Jahren geboren.

    Ich höre gern Radio. Aber an Sonntagen, christlichen Feiertagen und wenn ein Papst stirbt, muss ich auf Radiosender ausweichen, die an Kirchenredaktionen vorbei senden dürfen – oder keine haben. Ich fühle mich unwohl, wenn ich den Arm der Kirchen spüre, der wie selbstverständlich in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk greift. Der ÖRR gehört weder dem Staat, noch den Kirchen.

    Deutschlandfunk Nova hatte am Montag den Tag der 90er-Musik ausgerufen. Sorgfältig kuratiert, nicht (nur) Die Größten Hits der Neunziger, sondern manche Perle, die damals überhört wurde, rollte durch den digitalen Äther.

    Es war das Jahrzehnt, in dem Millionen Deutsche ihre Heimat und ihre Biografien verloren. Dafür bekamen sie Bananen und Kohl. Und die D-Mark, vor allem in Gestalt von Arbeitslosengeld. Keiner konnte diese Traurigkeit schöner besingen, als Gerhard Gundermann. Einmal im Jahr sollte sich jeder Wessi mit Gundermann befassen.

    Die Neunziger waren für mich prägend. Ich wurde zum ersten Mal Vater und hatte zum ersten Mal einen richtigen Job. Aber ich hatte zu wenig Interesse an der Umsetzung der deutschen Wiedervereinigung. Ich ging damals nicht den Weg des Künstlers. Ich sah nicht mit Turners Augen.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    PS: Den Frühling begrüße ich morgen mit Coq au Vin Blanc und bin sehr gespannt auf die Trauben, die laut Tim Raue in Red Bull geschmort werden müssen. Oder hat er einen Werbevertrag? Die mit Abstand schönsten Kochvideos zelebriert Alvin Zhou, zum Beispiel 24-Stunden-Honey-Butter-Fried-Chicken.

    April 25, 2025

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Thomas Vöcks – frei, kreativ, radikal.

 

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