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Das linksradikale Kochbuch

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  • Über mich

  • Freitag, 23. Mai

    Ist es großartig? Oder böse? Der Name des aufblasbaren Gummisofas, gestaltet von Reidar Mester und David Kaltenbach, klingt kriegerisch: Special Ops. Ist es also ein Landungsboot für bewaffnete Spezialeinheiten, oder doch ein cool-warmes Sitzobjekt? Oder fasziniert das Sofa gerade wegen seines Ritts auf der Klinge zwischen Schönheit und Abgrund? Ich möchte es jedenfalls haben; es verweist zuverlässig jede Langweile des Raumes.

    Der Zwiespalt wie im Fall des Sofas ist schön, wenn man ihm entspannt begegnet. Das Erörtern ist ungemütlich, spendiert aber Erhabenheit. Die modernste Frage in dieser Kategorie lautet: Führt Künstliche Intelligenz ins Heil oder in den Untergang? Hektisch übern Ecktisch beurteilt, führt die Frage zu einem dystopischen Spielfilm:

    Ich unterstelle Wes Anderson, dass er dieses Drehbuch lächelnd abgelehnt hätte. Der Süddeutschen erzählte er, er habe keine Angst vor der KI, noch nie habe er über einen KI-generierten Witz lachen müssen. Wer – wie ich – sein kindliches Gemüt nie ziehen liess, fühlt sich in diesem Argument so pudelwohl wie in Andersons Filmen. Dann schiebt er erwachsenhaft nach: Man müsse die Gefahr der Desinformation in den Griff kriegen. Und schon sitzen wir wieder auf der Klinge.

    Als ich dieses Bild sah, bekam ich spontan und analog Heißhunger. Allerdings ist der Mai kein guter Monat für Miesmuscheln: Es ist Laichzeit, darunter leidet die Qualität. Also verschiebe ich diesen Genuss in den Oktober…

    https://www.effilee.de/rezept/muscheln-und-krebse-im-dillsud-mit-pikanter-mayonnaise-a-41fec83f-0005-0011-0000-000000001947

    …und sehe mich nach Vongole um, die haben das ganze Jahr Saison.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Mai 23, 2025

  • Freitag, 16. Mai

    Bienen lassen sich auf eine Beziehung zu Menschen ein, ohne ihre Freiheit aufzugeben, sagt Walter Röhrl, der Rennfahrer, im Film Race for Glory – Audi vs. Lancia. Nun ist Walter Röhrl in Wirklichkeit kein Hobby-Imker. Und den Film über ihn findet er doof. Aber der Satz ist ja schön, er beschreibt den Ausweg aus dem Dilemma der Liebe: Wie überlebt das Ich im Wir?

    Audi gegen Lancia – das ist gleichzeitig ein kulturelles Armdrücken: Kraft gegen Stil. Technisch war das deutsche Auto damals überlegen:

    Schöner war zweifellos der Lancia. Italien ist das Land der Eleganz in allen Facetten. Flaniere ich durch italienische Städte, bereite ich mich gut vor. Ich trage sehr teure Schuhe. Hemd, Hose, Haare, ganz gut, denke ich vorm Spiegel. Aber wenn ich auf der Straße die italienischen Männer beobachte, fühle ich mich doch wieder als Audi unter lauter Lancias.

    http://siasoulfood.blogspot.com/2014/08/tomatenfrikadellen-ntomatokeftedes.html

    Der ESC, herrje; wieder ein Abend, über den ich mich ärgern werde. Damit die Bilanz nicht ganz so düster ausfällt, brate ich griechische Tomaten-Frikadellen: Minitomaten vierteln, mit Petersilie, Minze, Oregano und Frühlingszwiebeln verkneten. Salzen, pfeffern, mit Mehl zu Klopsteig rühren und löffelweise in tiefem Olivenöl backen. Dazu eine Sauce aus roter Paprika, gelben Linsen und Sahne. Und nie den Spritzer Zitrone vergessen.

    Ich wünsche alles ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Mai 16, 2025

  • Freitag, 9. Mai

    Wer seine Speisen mit Safran und Rosenwasser würzt, beweist sein großes Herz. Und seinen Sinn für aromatische Schönheit. Solche Menschen findet man im Iran. Der Anbau von Safran-Krokussen hat vielen iranischen Familien einen (sehr) bescheidenen Wohlstand beschert. Und wenn sie ein besonderes Mahl bereiten, teilen sie es mit den Nachbarn. Wir können viel lernen von den Iranern. Allerdings nicht von den Mullahs, die foltern und töten. Dass wir Deutschen das beherrschen, haben wir bereits vor acht Jahrzehnten bewiesen.

    Safran ist das teuerste Gewürz der Welt. Aber die Ernte ist mühsam und karg. Eine Reportage über Safran-Bauern im Iran gibt es bei Arte:

    https://www.arte.tv/de/videos/076591-013-A/zu-tisch/

    Und iranische Rezepte findet man bei der Youtuberin Butterbrötchen:

    Ich finde, Völkerfreundschaft ist ein wundervolles Wort. In meinem Verständnis bezeichnet es die Verbundenheit der Menschen verschiedener Staaten unter dem Radar und ohne Bewertung der Regierungen. Und wenn wir den Hasspredigern der Bildzeitung keine Aufmerksamkeit mehr schenken, können Deutsche Afghanen, Iraner und Palästinenser lieben.

    Natürlich belaste ich mich morgens trotzdem mit den Nachrichten in verschiedensten Medien. Und wenn es zu schlimm wird, tanze ich den Schmerz weg. In Gedanken. Das geht.

    Die Musiker von Parcels sehen aus, hätten sie 1981 zusammen mit mir Abitur gemacht. Aber da waren die wohl noch nicht geboren. Nächste Woche treffe ich eine kleine Truppe aus meinem Abi-Jahrgang. Wir werden wohl gegenseitig die Ergebnisse unserer Altersprozesse bestaunen – und so albern wie damals sein.

    Von gut gealterten Freundschaften handelt die Serie The Four Seasons bei Netflix.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Mai 8, 2025

  • Freitag, 2. Mai

    Kinder an die Macht. Ich fand diesen Refrain schon damals sympathisch, hielt die Forderung aber für einen humoristischen Denkanstoß für Erwachsene. Schließlich lässt das Demokratieverständnis Fünfjähriger nach meiner Erfahrung zu Wünschen übrig.

    Und dann las ich am Dienstag im Spiegel ein Interview mit der Autorin und Erziehungsberaterin Eloise Rickman. Sie fordert, das Mindestwahlalter abzuschaffen. Rickman, sinngemäß: Dreijährige sollten wählen dürfen, 100jährige mit Demenz dürfen’s ja auch. Außerdem hätten ganz junge Menschen durchaus ein Gefühl für Gerechtigkeit, Fairness, Freundschaft. Zurzeit machen alte Menschen Politik für alte Menschen. Denn der moderne Politiker strebt nicht einer gerechten Gesellschaft entgegen, er rennt dem Wählerwillen hinterher – und der wird von Alten geprägt. Schön, wenn sich das ändert. Und ich freue mich auf die Bild-Schlagzeile Wähler in Windeln – Der Pups-Hammer!

    Leider hinter Bezahlschranke: https://www.spiegel.de/panorama/wahlrecht-fuer-fuenfjaehrige-interview-mit-der-erziehungsberaterin-eloise-rickman-a-43d97418-6659-4eb2-9ae8-b9b8741ecbeb

    Momentan werfen Politiker der jungen Generation ja mit Vorliebe Schlaffheit vor und fordern mehr Bock auf Arbeit. Denen, aber eigentlich allen, sei ein Kommentar in der Süddeutschen ans Herz gelegt. Die Kernaussage: Die Politik hat das Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft gebrochen. Warum also Überstunden dreschen? Für’s Eigenheim wird es nie reichen. Aber vielleicht wird sich das ändern, wenn Fünfjährige wählen dürfen.

    Gratis: https://www.sueddeutsche.de/meinung/1-mai-arbeit-rente-wohnungsbau-kommentar-li.3242357

    Tutzing am Starnberger See.

    Im schönen Fleisch-, Wurst- und Sülzeland Bayern, wo ich mich gerade sonne, bereite ich morgen einen Spargelsalat zu – mit Radieschen, Ei, Schalotte, Schnittlauch und einem Dressing aus Essig, Honig, Öl, Anchovis und Senf. Da wird das Fleisch zur Beilage: Roastbeef. Aber nicht ganz so aufwändig wie das 50-Hour Prime Rib von Alvin Zhou.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    Mai 2, 2025

  • Freitag, 25. April

    Beschreite den Weg des Künstlers, riet mir vor langer Zeit eine kluge Frau. Die Wegbeschreibung missfiel mir damals, aber der Appell nistet seitdem in meinem Denken. Mich interessiert nur Kunst mit einem Gegenwartsbezug, aber es muss nicht meine Gegenwart sein. Eine Sekunde Wirklichkeit ist immer ein Wimmelbild. Der Künstler muss das Labyrinth entschlüsseln und fokussieren. Und dann die Brennweite ändern. In der Unschärfe verliert das Gift seine Dominanz. Es geht nicht um Schönmalerei, sondern um die Souveränität des Beobachters. Mit leicht zusammengekniffenen Augen sieht man mehr. William Turner wusste das. Er wurde vor 250 Jahren geboren.

    Ich höre gern Radio. Aber an Sonntagen, christlichen Feiertagen und wenn ein Papst stirbt, muss ich auf Radiosender ausweichen, die an Kirchenredaktionen vorbei senden dürfen – oder keine haben. Ich fühle mich unwohl, wenn ich den Arm der Kirchen spüre, der wie selbstverständlich in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk greift. Der ÖRR gehört weder dem Staat, noch den Kirchen.

    Deutschlandfunk Nova hatte am Montag den Tag der 90er-Musik ausgerufen. Sorgfältig kuratiert, nicht (nur) Die Größten Hits der Neunziger, sondern manche Perle, die damals überhört wurde, rollte durch den digitalen Äther.

    Es war das Jahrzehnt, in dem Millionen Deutsche ihre Heimat und ihre Biografien verloren. Dafür bekamen sie Bananen und Kohl. Und die D-Mark, vor allem in Gestalt von Arbeitslosengeld. Keiner konnte diese Traurigkeit schöner besingen, als Gerhard Gundermann. Einmal im Jahr sollte sich jeder Wessi mit Gundermann befassen.

    Die Neunziger waren für mich prägend. Ich wurde zum ersten Mal Vater und hatte zum ersten Mal einen richtigen Job. Aber ich hatte zu wenig Interesse an der Umsetzung der deutschen Wiedervereinigung. Ich ging damals nicht den Weg des Künstlers. Ich sah nicht mit Turners Augen.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    PS: Den Frühling begrüße ich morgen mit Coq au Vin Blanc und bin sehr gespannt auf die Trauben, die laut Tim Raue in Red Bull geschmort werden müssen. Oder hat er einen Werbevertrag? Die mit Abstand schönsten Kochvideos zelebriert Alvin Zhou, zum Beispiel 24-Stunden-Honey-Butter-Fried-Chicken.

    April 25, 2025

  • Freitag, 18. April

    Es gibt Fernsehmomente, die funkeln, aber nur wenige. Eines dieser kleinen Wunder geschah auf einem roten Sofa im NDR-Fernsehen. Dem NDR gehört ja seit je mein journalistisches Herz. Doch seit kurzem schneidet eisige Zugluft durch manche Redaktion. Diese kristallisierte kürzlich in einem Format, das die Ausländer-raus-Agitation der Bildzeitung zur journalistischen Aufklärung erhob. Darüber wurde, sagen wir, mittelmäßig viel kommentiert, in beide Richtungen. Ist so langweilig. Spannend war aber Bianca Nawrath, Schauspielerin, Jahrgang 1997, im charmanten Gefecht mit Hinnerk Baumgarten, Jahrgang 1968, auf dem roten Plaudersofa. Frau Nawrath ist Tochter polnischer Einwanderer in Deutschland und wusste genau, in welchem Moment der eisige Wind durch’s Studio wehte. Und sie zog ihr rhetorisches Florett. Widerstand in seiner eloquentesten Form.

    Vielen Dank, Bianka Nawroth! Und sonst? Wo bleibt eigentlich der Widerstand amerikanischer Künstler? Bruce Springsteen, Taylor Swift, was ist los? Ich meine, ich habe hier einen Blog zu schreiben, der Mut und Zuversicht verbreitet, während ein paar Neo-Despoten alles Schöne zertreten. Ich fordere Protestsongs! Wie damals.

    Wenn ich die ganzen Schatten in meinem Kopf mal für eine Weile verjagen will, flüchte ich mich übrigens gern ins Reich der ungenierten Albernheit.

    Ungeachtet der Weltlage, nein, entsprechend der Weltlage, bereite ich heute zwei Gerichte zu, auf Vorrat: eine zärtliche Bolognese und ein rabiates Rindergulasch. Die Bolognese ist eine Liaison aus Fleisch und Gemüse, Weißwein und Milch. Mittlere Temperatur. Das Gulasch brät bis zur Schmerzgrenze. Und wenn es aussieht, als wären Fleisch und Topfboden verdorben, lösche ich mit Rotwein. Bis es wieder brennt, dann nochmal und nochmal. Dann Zwiebeln, dann Wasser.

    Gulasch funktioniert wie die Deals des amerikanischen Faschisten: Ich mach dich fertig, bis du mir den Genuss bringst. Bolognese ist wie Europa: Umschlingt euch, ihr Aromen, ihr Brüder und Schwestern, kuschelt euch in diese samtseidene Sauce.

    Ostern bedeutet mir nichts, das Familientreffen am Sonntag schon. Ich wünsche allen ein schönes langes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    April 18, 2025

  • Freitag, 11. April

    So schön kann man Kapitalismus inszenieren. Da gurgeln erst Billionen in den Gullis der Börsen, dann eine Springflut, die Launen des Zockers im Weißen Haus machen echt Laune, jedenfalls jenen, die vor dem zweiten Akt investiert hatten. Wer das wohl war… Wer im ersten Akt bereits seine Altersversorgung verschwinden sah, gehörte wahrscheinlich nicht dazu. Es gibt übrigens auch sympathische Darstellungen von Großkotzerei: Der Sechsteiler The Playlist, speziell Folge 5.

    Axel Hacke, der wunderbare Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, hat gelobt, den Namen des Golftrottels nie mehr zu schreiben. Sowas imponiert mir, ich mache das einfach nach und vermeide das T-Wort. Palim, palim, das ist neuer Stoff für Hallervorden, das werde ich ja wohl noch sagen dürfen.

    Es war überhaupt eine schöne Woche für Nicht-Superreiche. Das Staffelfinale von White Lotus führte vor Augen, wie trostlos es sein kann, wenn die Kreditkarte nur ein emotionales Vakuum deckelt. Da schlendere ich dann lächelnd durch Aldi und weiß mich in bester Gesellschaft. Kaufe ein Maishuhn und schiebe obszöne Mengen Kräuterbutter unter die Haut, beim Kochen bin ich maßlos wie der amerikanische Zöllner. Dessen Zwang, sein Handeln stets der Gewalt zu widmen, lässt uns ratlos zurück. Woher kommt das? White Lotus weiß auch hier Rat: Die Quelle von Gewalt sei immer Angst. Ich glaube, da geht es um die Angst vor Erkenntnis. Je größer die Kluft zwischen Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit ist, desto größer die Furcht. Das könnte den Zampano erklären.

    Dann war da noch Roland Kaiser, der Experte für ganzheitliche Entspannung. Bei Maischberger zeigte er Politikern, was keine Harke ist: Engstirnigkeit. Der Sozialdemokrat wünscht Merz eine erfolgreiche Kanzlerschaft, der sei ein netter Mensch. Ich bin ein Freund des Schlagers, Roland Kaiser gehört nicht zu meinen Favoriten, aber ich glaube, er ist ein sehr netter Mensch.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Thomas Vöcks

    PS: Der wildgewordene Zöllner kennt keine Freundschaften, nur Deals. Von Deals verstehe ich nichts. Aber ich habe seit Jahrzehnten einen besten Freund, der heute Geburtstag feiert. Ich hab keine Millionen, aber der Idiot ist arm.

    April 11, 2025

  • Freitag, 4. April

    Herzlich willkommen im zollfreien La-La-Land! Dem Blog, der sich um die Ästhetik der Gegenwart kümmert, was wahrscheinlich stets so lala gelingt. Die Debatten duften ja stark überwürzt. Also hobele ich etwas Kartoffel drüber, die zieht überschüssiges Salz aus der Suppe.

    Mit der Lupe entdeckte ich, dass Friedrich und Lars neben Migration und Milliarden noch andere Themen auf dem Zettel haben. In irgendeinem Nebenzimmer geht es tatsächlich um Abtreibung. Nur ein gutes halbes Jahrhundert nach dem Stern-Titel Wir haben abgetrieben steht die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs auf der Tagesordnung von Koalitionsverhandlungen. Schade, dass Katharina und Britta ihre grüne Superkraft hier nicht einsetzen können. Wer sonst käme gegen Friedrich an, der fürchtet, die Abschaffung von §218 würde einen gesellschaftlichen Großkonflikt auslösen. Der Mann kommt immer so grimmig rüber. So grimmig und gestrig wie der Paragraph.

    Alle reden über die Miniserie Adolescence auf Netflix. Zu Recht. In der Arte-Mediathek liegt ein weiterer Schatz, der von Gewalt gegen Frauen handelt. Douglas is cancelled spielt im Fernsehgeschäft, eine junge Frau macht Karriere, ihr Mentor erzählt einen sexistischen Witz und gerät in einen Shitstorm. Pointierte Dialoge in Formel-1-Tempo und ein sensationeller vierter Akt. Er: Ich bin nicht wie er! Sie: Du kriegst keinen Preis für nicht-scheiße-sein.

    https://www.arte.tv/de/videos/RC-026265/douglas-is-cancelled/

    Spargelzeit! Ich will ihn am liebsten täglich. Aber in welcher Zubereitung? Mit welcher Sauce? Confieren? Braten? Kochen? Inspiriationen liefert Effilee:

    https://www.effilee.de/?s=spargel

    April 4, 2025

  • Freitag, 28. März

    Ich habe beschlossen, meinen geliebten Lada zu verkaufen. Das ist gut für die Grünen, aber der Reihe nach. Die kastige Kiste ist wunderschön, das verstehen vor allem Kinder, ungezählte blutjunge Augenpaare staunten mir in den vergangenen Jahren hinterher. Hier geht es ja um die Lage der Ästhetik, deswegen erzähle ich das. Vorgeschichte: Ich habe Carsharing ausprobiert, weil mir das Prinzip „Eigenes Auto“ in einer Großstadt sinnlos erschien. Ich fuhr also hässliche Autos, aber es war ein großer Spaß, denn sie fuhren elektrisch. Eine neue Erfahrung von Schönheit. Das Feuer kann faszinieren (bald ist Ostern), Verbrennung ist Untergang. Käfer, 504, DS, -9er, für immer Traumwagen. Und Veränderung verängstigt ja immer. Mein Ziel ist trotzdem: Nie mehr tanken. Der Lada ist jetzt in guten Händen. Die neue Besitzerin hat jetzt aber ein schlechtes Gewissen wegen der Verbrennerei und kompensiert dieses, indem sie sich bei den Grünen engagiert. Wo die Liebe hinfällt…

    Gelegentlich sehe ich Fußballspiele, Deutschland-Italien am Sonntag habe ich verpasst, aber dieses Tor nach der Ecke lief ja überall. Die Begeisterung darüber hat mich irritiert. Da schwingt so eine Stefan-Raab-Freude mit, die Italiener wurden schlicht übertölpelt. Mein Lieblingstor fiel 1974, ich war 12 und zum ersten Mal im Ausland. Mit meinen Eltern, meiner Schwester und einem Schulfreund saß ich in einem Restaurant mit Fernseher. Deutschland-Holland, wir aßen Paella an der Costa Brava. 0:1, 1:1, dann die 43. Minute, Gerd Müller im Strafraum, Drehung, Bombe, Sieg, Weltmeister. Kein Augenschmaus, aber unvergesslich. (Die Holländer auf unserem Campingplatz sprachen danach kein Wort mehr mit uns). David Beckham spielte den Ball wie Yehudi Menuhin seine Stradivari. Präzise, gelassen, virtuos.

    Heute Abend sehe ich eine Theateradaption des Romans Schöne neue Welt von Aldous Huxley. Ich kann mich noch erinnern, wie verstörend ich die Lektüre als Schüler fand. Jetzt, ein halbes Jahrhundert später, hoffe ich, nach der Aufführung die Gegenwart etwas weniger verstörend wahrzunehmen. Das wäre schön.

    Thomas Vöcks

    März 28, 2025

  • Freitag, 21. März

    Also gehe ich auf die Suche. Ich suche nach der Schönheit im Alltäglichen, in der Küche, in Film und Theater, sogar nach der politischen Schönheit, oje. Letztere fand ich diese Woche ausgerechnet in Bayern. Ich bin in Kiel geboren, seit ewig Hamburger, aber in mir wohnt eine unerklärliche Bayernliebe. Ich mag die Lässigkeit, mit der Trachtenmode dort tragbar ist. Ich möchte bayrische Wursttheken rauf- und runteressen. Und ich liebe die Sprache, die drastisch sein kann, ohne zu beleidigen. Da sind wir bei der schwierigen politischen Schönheit, die wohl kaum jemand so verständlich einfordert, wie Maximilian Schaffroth. Seine Fastenrede auf dem Nockherberg handelte diesmal vom Umgangston in der Politik – in Bayern, im Bund, in der Welt. Anders gefragt: Warum wimmelt es in der Welt von wildgewordenen Mackern? Er glaubt, es sei ein Schrei nach Liebe. Glaubten Die Ärzte auch, vielleicht stimmt es ja. Aber was machen wir jetzt mit dieser Einsicht?

    Apropos Therapie. Eine Perle der Shit-Flut im US-Zirkus war diese Woche die Idee einiger Republikaner, Trump-Kritikern wegen ihrer Haltung eine Geisteskrankheit zu attestieren. Das führt jetzt weg von der Schönheit, aber hin zur Kunst. 1943 zeichnete Andreas Paul Weber „Das Gerücht“. Das Bild illustriert die Sogwirkung von bloßen Behauptungen auf die Menschen. In unserer postfaktischen Gegenwart kann jeder Unsinn auch Existenzen vernichten. In Deutschland sagt man ja gern, wo Rauch ist, ist auch Feuer.

    Vergangene Nacht hatte ich einen Traum, er handelte von einem Argument. Zwei Menschen, die ganz und gar nicht einer Meinung waren, benutzten das selbe Argument. Ich konnte diesen scheinbaren Widerspruch nicht entschlüsseln. Dann reichte mir jemand einen Umschlag. Auf dem Zettel darin stand das Wort GLÜCK.

    Thomas Vöcks

    März 21, 2025

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Thomas Vöcks – frei, kreativ, radikal.

 

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