Es gibt Fernsehmomente, die funkeln, aber nur wenige. Eines dieser kleinen Wunder geschah auf einem roten Sofa im NDR-Fernsehen. Dem NDR gehört ja seit je mein journalistisches Herz. Doch seit kurzem schneidet eisige Zugluft durch manche Redaktion. Diese kristallisierte kürzlich in einem Format, das die Ausländer-raus-Agitation der Bildzeitung zur journalistischen Aufklärung erhob. Darüber wurde, sagen wir, mittelmäßig viel kommentiert, in beide Richtungen. Ist so langweilig. Spannend war aber Bianca Nawrath, Schauspielerin, Jahrgang 1997, im charmanten Gefecht mit Hinnerk Baumgarten, Jahrgang 1968, auf dem roten Plaudersofa. Frau Nawrath ist Tochter polnischer Einwanderer in Deutschland und wusste genau, in welchem Moment der eisige Wind durch’s Studio wehte. Und sie zog ihr rhetorisches Florett. Widerstand in seiner eloquentesten Form.
Vielen Dank, Bianka Nawroth! Und sonst? Wo bleibt eigentlich der Widerstand amerikanischer Künstler? Bruce Springsteen, Taylor Swift, was ist los? Ich meine, ich habe hier einen Blog zu schreiben, der Mut und Zuversicht verbreitet, während ein paar Neo-Despoten alles Schöne zertreten. Ich fordere Protestsongs! Wie damals.
Wenn ich die ganzen Schatten in meinem Kopf mal für eine Weile verjagen will, flüchte ich mich übrigens gern ins Reich der ungenierten Albernheit.
Ungeachtet der Weltlage, nein, entsprechend der Weltlage, bereite ich heute zwei Gerichte zu, auf Vorrat: eine zärtliche Bolognese und ein rabiates Rindergulasch. Die Bolognese ist eine Liaison aus Fleisch und Gemüse, Weißwein und Milch. Mittlere Temperatur. Das Gulasch brät bis zur Schmerzgrenze. Und wenn es aussieht, als wären Fleisch und Topfboden verdorben, lösche ich mit Rotwein. Bis es wieder brennt, dann nochmal und nochmal. Dann Zwiebeln, dann Wasser.
Gulasch funktioniert wie die Deals des amerikanischen Faschisten: Ich mach dich fertig, bis du mir den Genuss bringst. Bolognese ist wie Europa: Umschlingt euch, ihr Aromen, ihr Brüder und Schwestern, kuschelt euch in diese samtseidene Sauce.
Ostern bedeutet mir nichts, das Familientreffen am Sonntag schon. Ich wünsche allen ein schönes langes Wochenende.
Thomas Vöcks




