Wenn sich das Fernsehen mit fiktionalen Stoffen in die Gegenwart einmischt, kribbelt es in meinen Adern. Mein Zuschauerschädel kocht sich aus dem Drehbuch einen Wirklichkeitsmokka.
Das Gebräu weckt die Lebensgeister, und wenn ich es zulasse, liest mir der Kaffeesatz vor, wie ich das Geschehen abseits meiner eingetretenen Gedankenpfade betrachten kann. Sehr ergiebig ist die fünfte Staffel Fauda, die ohne Erbarmen den 7. Oktober aufführt. Auch die Finalstaffel von Babylon Berlin springt so beidbeinig und breitbeinig in meinen Tag, dass mir der Atem stockt. Der Kaffeesatz erzählt mir, im Strudel der Meinungen besonnen zu bleiben. Die Verführung lockt an jeder Ecke, und im Zweifel hallt der Satz unseres Mathelehrers L. bis heute nach: Seid wachsam, es ist später, als ihr denkt.


Vorgestern rief mich meine Mutter an. Sie war aufgelöst, weil die Welt so verrückt, und Deutschland, was geht denn hier ab? Ich sagte, ich bin genauso verzweifelt, habe kaum Trost in petto. Na, dann warten wir mal ab, was passiert, wenn die regieren, sagte sie. Nein, sagte ich, diese Partei gehört verboten, besser spät, als nie. Morgen wird meine Mutter 85 Jahre alt und ist in Sorge um Deutschland. So sollte es nicht sein.
Ich wünsche allen eine schöne Woche.
Thomas Vöcks

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