Im Dämmerschlaf, gestern, sehr früh am Morgen, durchfuhr mich eine fundamentale Erkenntnis. Sie muss mir von Allah geflüstert worden sein (er wohnt gegenüber meines Hotels in Taschkent), denn sie beantwortete eine Frage, die ich mir nie gestellt hatte.
Nach dem Erwachen war diese Weisheit ein glibschiger Fisch, der sich davon zappelte. Es war eine Formel, so viel weiß ich noch, mit der sich ein Gefühl berechnen lässt. Kann sein, dass es sich um Einsamkeit handelte, vielleicht war es auch Verlassenheit. Für die Berechnung brauchte man nur zwei Faktoren, es könnten aber auch Quotienten gewesen sein, der Nebel wurde immer dichter. Im Traum waren die benötigten Zahlen im Handumdrehen ermittelt, aber das nützt jetzt ja auch nichts, und selbst, wenn ich noch alles erinnerte: Lieber Allah, und das gilt auch für all Deine Namensvetter, kümmert euch darum, dass unsere Herzen leicht sind. Oder gebt einfach zu, dass es euch nicht gibt.
Nun sitze ich hier auf einer Terrasse in Xiva und warte schweren Herzens auf Wahlergebnisse. Hier ist es 20 Uhr 15, unten spielen Kinder, der zunehmende Mond schaut nachdenklich nach links, ich auch. Es ist ruhig, für diese Ruhe muss man weit reisen. Halbe Stunde bis zur Prognose, der Muezzin ruft, melde mich in einer Woche.
Thomas Vöcks

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